"In einen kirtan einzutauchen ist wie in
ein Boot zu steigen, das uns schnell in
den heiligen Raum des Herzens bringt
und in die Gegenwart Gottes."
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Tagebücher von Sacinandana Swami

DAS GEHEIMNIS DES AFFEN

Von Sacinandana Swami

Hinter dem furchteinflößenden Affen sah ich viele weitere „Hanuman-Affen“.

Zum Glück waren die anderen mit ihren eigenen Angelegenheiten beschäftigt – sie aßen Blätter und Beeren von den Bäumen. Ich wusste, ich musste mich entscheiden: weglaufen oder chanten. Der riesige Affe (ich nehme an der Anführer oder einer der Affenwächter) war jetzt nur noch sechs Armlängen weit entfernt. Er fletschte weiterhin seine Zähne in meine Richtung. Ich nahm es als Zeichen, dass er ebenfalls meine Wahlmöglichkeiten kannte: „Ergib dich dem Herrn im Klang oder laufe.“ Ich entschied mich für das Ergeben und begann zu chanten.

Ich kann immer noch nicht glauben, was als nächstes geschah. Als ich mein erstes aum anstimmte, setzte sich dieser aggressive Affe mir gegenüber hin und stimmte mit ein; das heißt, er machte einen Laut, der sich wie aum anhörte. Ich konnte sehen, dass er versuchte zu chanten, aber dass es schwierig war und er sich bemühen musste den richtigen Ton herauszubringen.

Nach einigen weiteren Versuchen schien sich seine Stimme zu klären und er stimmte mit mir zusammen ein perfektes aum an, komplett mit langem Einatmen und dem Mantra beim Ausatmen. Klare, perfekte Zyklen von aum, die mit demselben nachklingenden Nasallaut endeten, der durch den Körper vibriert, wenn man diese Silbe chantet.

Er chantete ungefähr 20 Minuten wie ein vollendeter Yogi. Er saß wie ich und blickte in die Richtung der Ganga. Als sich jedoch ein anderer Affe neben ihn setzte, ging er sofort weg, fast, als wenn er sein Chanten geheim halten wollte. Doch ehe er ging, schaute er mir nochmal in die Augen – und wieder war ich überrascht. Seine Augen waren klar und wie die eines Menschen. Es war kein Tier, das mich anschaute, sondern eine menschliche Intelligenz. Wahrscheinlich um meine Annahme zu bestätigen, erhob er sich auf seine Hinterbeine und spazierte majestätisch davon. Ich sah ihn nie wieder.

Später am Nachmittag erzählte ich meinem Gastgeber, was geschehen war. Er war nicht überrascht. „Es ist bekannt, dass viele der Yogis, die am Ufer der Ganga leben, ihre Form nach Belieben wechseln können. Ein Yogi, der hier vor 80 Jahren lebte, wollte sicherstellen, dass er nicht gestört wird, darum nahm er die Form eines Tigers an. Die Menschen stellten Milch vor seine Höhle – er war ein Vegetarier.“

Solche Erlebnisse überzeugen uns, dass wir uns auf heiligem Boden befinden, wo die Einwohner nicht immer das sind, was sie zu sein scheinen. Diejenigen, die an heiligen Orten leben, sind besondere Seelen und sollten respektiert und manchmal sogar verehrt werden. Hier bekommt der folgende bekannte Spruch eine neue Bedeutung: „Das Wesentliche kann nur mit den Augen des Herzens gesehen werden.“

Lasst mich mit einem Gebet aus dem Ganga-stotram enden.

„O Ganga, es ist besser, eine Schildkröte oder ein Fisch in deinen Wassern zu sein, eine kleine Eidechse an deinem Ufer oder gar ein bedauernswerter Hundeesser, der im Umkreis von zwei Quadratmeilen von dir wohnt, als ein König von hoher Geburt, der fernab von dir lebt.“

Im Westen neigen wir dazu, Erfolg auf bestimmte Art zu messen, doch das spirituelle Indien öffnet

unsere Augen zu einer vollkommen anderen Perspektive – eine Perspektive, aus der nur die spirituelle Realität zählt und alles andere maya (Illusion) ist, dazu verurteilt, im Lauf der Zeit zu vergehen.

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