"Für jeden von uns kommt eine Zeit, wenn uns
alles oberflächlich zu sein scheint - außer
die Sehnsucht der Seele ihren wahren Pfad zu finden."
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Tagebücher von Sacinandana Swami

Vrindavan Tagebuch 2014 - Teil 5

Von Sacinandana Swami

Alles ist hier!

Lasst mich euch mein Leben hier in Vrindavana beschreiben. Seit einigen Tagen wohne ich jetzt in einer kleinen Lehmhütte mit ein Meter dicken Wänden und bin immer tiefer in die Bewusstseinsebene eingetaucht, auf der Offenbarungen stattfinden können.

Heute beginnt das internationale Retreat, also muss ich diese kleine „Zuflucht im Paradies“ verlassen und nach Varshana fahren. Dort, am Fuße der Treppen, die zu Radhas Palast hinaufführen, werden wir uns in das nama tattva und die Praxis des Chantens vertiefen.

Doch lasst mich vorher etwas über Gauraharis Hochzeit am Govinda-kunda sagen. Als ich in die friedvolle Atmosphäre von Dinabandhu Babas Ashram am Govinda-kunda eintrat, bemerkte ich sofort, dass er jeden Stein der Wand, den er erreichen konnte, geweißt hatte. Ich bemerkte auch einen Affen, der ihm eine helfende Hand geliehen zu haben schien – weil seine Arme ganz weiß waren. Auf diese Weise hatte der Baba diese Einsiedelei in eine fröhliche Hochzeitssuite verwandelt. Als die Zeremonie vorbei war, sprach ich einige Zeit mit Dinabandhu Baba, der von seinem Guru gebeten worden war, neben dem Govinda-kunda einen Tempel und Aschram zu bauen. Als er hörte, dass ich diesmal nur ein paar Stunden bleiben und dann nach Varshana weiterfahren würde, gewährte er mir einen tiefen Einblick in seine Überzeugungen. „Ich möchte nicht mehr irgendwohin gehen“, sagte er. „Ich glaube, dass mir Shrimati Radharani diesen Ort persönlich durch meinen Guru geschenkt hat. Ich brauche nirgendwo anders hinzugehen. Was brauche ich mehr, als mich hier im bhajan und Dienst zu beschäftigen und tiefer zu gehen.“

Welch Weisheit! Welch erstrebenswerte Überzeugung! Ich bete, dass meine Suche in dieser horizontalen Richtung bald beendet sein wird. Diese Welt zu bereisen, selbst an verschiedene heilige Orte, ist letztendlich Zeitverschwendung... Das sind Reisen in die falsche Richtung! Stattdessen müssen wir tief reisen, um etwas zu bekommen.

Menschen wie Dinabandhu Baba haben erkannt, dass Reisen und Suchen solange gut sein mögen, bis man seinen eigenen wahren Ort und Weg gefunden hat. In diesem Zusammenhang sagt Brahma:

„Wissenschaftler mögen die Welt bereisen und eines Tages in der Lage sein, die Anzahl der Atome und Schneeflocken zu zählen, aber sie können deine unbegrenzten Eigenschaften und Spiele nicht verstehen, indem sie auf der Straße der Sinne reisen und sich so außerhalb davon bewegen.“

Stattdessen sollte man Halt machen, seinen Frieden finden, darauf vertrauen, dass Krishna bereits das beste Arrangement getroffen hat und sich auf ihn verlassen. Für Dinbabandhu bedeutete das, in einem kleinen Ashram mit sieben Kühen zu leben (von denen eine sehr temperamentvoll ist), die Deities mit Schmuck und aratikas zu verehren und die Affen, die Essen stehlen, zu verjagen,. Für jemand andern mag es etwas anderes bedeuten. Was mich betrifft, lass die Reaktionen auf mein Karma über mich rollen – was sowieso passiert – aber lass mich in meinem Dienst verankert und fokussiert bleiben. Lass mich in Erwartung des Lichts leben und lass die Liebe des Herrn hell in mein Herz scheinen und so meine Worte, meinen Körper, meinen Geist, mein Herz und alles, was ich tue, ermächtigen. Wenn jemand seine Tage in diesem Bewusstsein verbringt, wird er die Zufriedenheit des Herzens spüren, nach der er immer begierig gesucht hatte.

Ich habe diese sadhus, die acala – unbewegt (an einem Ort) – bleiben, immer bewundert. Sie bleiben Jahr für Jahr, in Monsun- und heißen Sommerzeiten, beständig und setzen ihre spirituelle Praxis ungestört fort, im Wissen, dass ihre Suche zu Ende ist. Sie sind angekommen und können jetzt in die endgültige Richtung im Leben gehen – tief in die spirituelle Essenz.

Einmal habe ich einen solchen sadhu besucht, der in einer kleinen Lehmhütte an einem See lebte.

Es war Winter und ziemlich kalt. Er saß in den wärmenden Strahlen der Morgensonne. Was mich beeindruckte, war sein Alter: äußerlich sehr alt – innerlich unkompliziert, wie ein Kind. Als er mir vorgestellt wurde, erzählte er mir seine liebste Geschichte von Krishnas Spielen und am Ende hörte er abrupt auf und sagte: „Oh, Maharaja, du hast sehr viel Glück, an diesen Ort gekommen zu sein.“

Er zeigte auf den Ort, an dem wir saßen und fuhr er fort: „Hier ist die gesamte spirituelle Welt gegenwärtig. Wir müssen nirgendwohin gehen. Wir müssen nur die Augen entwickeln, um sie zu sehen.“

Das fasst mein Vrindavan Erlebnis soweit zusammen: „Alles ist hier! Jetzt muss ich nur noch um Augen beten, mit denen ich sehen kann...“

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