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Könnte Corona karuna (Gnade) in Verkleidung sein?

Von Sacinandana Swami

"Nicht den Tod sollte der Mensch fürchten, sondern die Angst, dass er nie zu leben beginnt.“
- Marcus Aurelius (121-180 n. Chr.), römischer Kaiser, Staatsmann und Philosoph

Wir wissen, dass jede Herausforderung eine Chance auf Besserung in sich birgt. Wenn wir sie erkennen und entsprechend handeln, kann sich selbst die herausforderndste Bedrohung in eine wunderschöne Gelegenheit zur Veränderung verwandeln.

Gegenwärtig wird die ganze Welt vor eine solche Bedrohung gestellt. Das ist offensichtlich. Ich habe einen Brief von einem engen Freund erhalten, der als Coach arbeitet. Er drückte die Situation auf eine sehr bewegende Weise aus:

"Die Ängste, Emotionen, Gefahren. Die Isolation. Technologische Hyperverbindung. Die Anforderungen an die Eltern, ihre Vollzeitarbeit irgendwie in der Hälfte der Zeit zu erledigen, damit sie sich um ihre Kinder kümmern können, deren Schule geschlossen sind (ohne Zeit für sich selbst  zu haben und mit Schlafproblemen). Menschen, die 25 Jahre lang gearbeitet haben, verlieren plötzlich alles, aus dem Nichts (ich habe einen Kunden, der es genau mit diesen Worten ausgedrückt hat - er nannte es auch "einen echten Alptraum", da er seine gesamte Belegschaft, um die er sich sehr sorgt, auf einen Schlag entlassen musste). Die außerordentliche Schuld derer, die infiziert wurden und Fremde sowie geliebte Menschen in Todesgefahr brachten, bevor Symptome auftraten, und sie wussten, dass sie sich selbst isolieren mussten. Die sehr reale Angst, einen geliebten Menschen zu verlieren (aufgrund von Covid-19 oder einem anderen Grund für rechtzeitige Behandlung), weil es keine Ressourcen gibt, um ihn oder sie zu behandeln. Die Unmöglichkeit, eine Beerdigung abzuhalten, weil es gefährlich ist, sich zu versammeln, geschweige denn zu reisen. Die Mitleidsmüdigkeit derer, die mitten in der Pandemie versuchen, anderen zu dienen, einschließlich derer, die in Hochrisikobereichen arbeiten. Wie können die Menschen mitten in dieser Situation alles verarbeiten? Ich kenne für jede dieser verschiedenen Dynamiken mindestens eine Person, die diese erlebt, und irgendwann, sehr bald in den meisten Teilen der Welt, werden es wahrscheinlich viele von uns auch tun".

Wow! Das klingt ernstzunehmend, dachte ich. Der Virus hat wichtige Entscheidungen in die Hand genommen, und die Weltbevölkerung muss ihrerseits ihre Produktions-, Reise-, Geschäfts-, Konsum- und Unterhaltungsgewohnheiten und vieles mehr umstellen. Wir sind nun gezwungen, das zu tun, was wir schon lange wissen. Um als Spezies überleben zu können, müssen wir den Lebensstil drastisch einschränken, der auf Kosten der Umwelt, der Menschen (insbesondere der Unterprivilegierten) und, wie ich meine, der Millionen unschuldiger Tiere geht, die täglich in die Schlachthaus geführt werden. Während ein Land nach dem anderen auf die Pandemie reagiert, sind wir aufgerufen, alles neu zu bewerten.

Aber inmitten des Wahnsinns gibt es auch noch andere wichtige Anzeichen... Der Himmel klart auf (seht nur die jüngsten Fotos aus chinesischen Industriestädten an). Viele Menschen machen langsamer und verbringen mehr Zeit mit ihren Liebsten. Und vor allem fühlen sich einige dazu aufgerufen, das zu suchen, was sie vergessen haben - ihre Beziehung zum größeren Ganzen und zu dem, was dahinter steht.

Hier ist die Gelegenheit. Während Corona die Tafel der heutigen Zivilisation schnell sauber wischt, können wir eine bessere Geschichte mit inspirierenderer Bedeutung aufschreiben. Obwohl die Welt, wie wir sie kennen, auseinander bricht, beginnt parallel dazu eine andere Welt Gestalt anzunehmen. Von diesem Standpunkt aus könnte man Corona tatsächlich als karuna oder Gnade sehen, nur in Verkleidung.


ZWEI TYPEN VON GNADE - eine Krishna-bewusste Perspektive

Die alten Weisheitstexte - die Veden - informieren uns über zwei Arten von Gnade: mayamayi-karuna und svarupa-sakti-mayi-karuna.

Die erste - mayamayi-karuna - ist Mitgefühl, das durch die Welt ausgeübt wird. Um die unaufhörlichen Wünsche der bedingten Seelen zu erfüllen, hat Krishna das kosmische Feld des Genusses mit allen Planeten und ihren jeweiligen Vergnügen erweitert. Doch egal, wie sehr die Lebewesen versuchen, sich zu erfreuen, sei es im Himmel oder in der Hölle oder irgendwo dazwischen, sie werden unzufrieden bleiben, überwältigt von den karmischen Schulden, die sie dabei geschaffen haben. Dies wird oft als intensives Leiden erlebt und kann Menschen so verzweifelt und reumütig machen, dass sie endlich die Ursachen ihres Elends aufgeben wollen. In dieser Zeit werden sie offen für neue Perspektiven, möglicherweise für ein neues Leben. Einige wenden sich sogar an Krishna und werden zu Gottgeweihten. Auf diese Weise kann eine Krise dazu beitragen, dass man aus der Illusion erwacht.

Die zweite - svarupa-sakti-mayi karuna - ist Gottes direktes Mitgefühl, das einer Seele hilft, Hingabe an Krishna zu empfinden und sich in liebevollem Dienst an Ihn zu wenden. Diese Gnade ist denen vorbehalten, die nach einer direkten Verbindung suchen. Sie offenbart den Herrn, Seine Namen, Eigenschaften und Spiele im Herzen und trägt die Seele schließlich nach Hause, zurück zu Gott. Ein so Erwachter gibt sein falsches Gefühl der Kontrolle und des "Handelns" auf und erfährt die mächtigen Arrangierungen des Herrn.

Die Menschen in Indien beschreiben das Phänomen dieser beiden Formen der Gnade als - die bittere und die süße. Was auch immer uns dazu bringt, uns einem Leben tiefer innerer Erfüllung zuzuwenden, kann daher als Gnade angesehen werden, sei es durch unsanfte materielle Reaktionen, die eine noch nie dagewesene Nachdenklichkeit hervorrufen, oder durch das direkte Aufblühen der Zuneigung zu Gott selbst.


DIE IDEALE ANTWORT - EIN LEBEN IM GLEICHGEWICHT

Als Menschen haben wir Verantwortung - etymologisch, das bedeutet wir haben die Fähigkeit zu reagieren. So können wir mit der Natur zusammenarbeiten. Die Natur versucht immer, das Gleichgewicht wiederherzustellen. Ob es sich um eine ökologische Krise, eine Beziehungskrise oder eine Gesundheitskrise handelt, die Ursache ist immer, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Das Gleichgewicht ist gestört. Und Wohlbefinden zu erlangen bedeutet, das Gleichgewicht wieder herzustellen.

Die moderne Zivilisation hat gelernt, Laster - massenhafte Gewalt und das Abschlachten von Tieren, Ausbeutung von Frauen, exzessive Berauschung und hemmungsloses Lügen - reibungslos zu integrieren, selbst in höchsten Führungskreisen. Heutzutage ist das so üblich, dass es oft nicht einmal als verwerflich angesehen wird. Dennoch hat uns das Ungleichgewicht der Werte eine massive karmische Schuld beschert.

Im antiken Griechenland erinnerten die Priester des Apollo im Tempel in Delphi an einen wichtigen Grundsatz: Nichts im Übermaß. 

Ein Leben im Gleichgewicht geschieht entweder freiwillig oder unfreiwillig. Wenn wir im Gleichgewicht leben, ist alles gut. Die Bhagavad-gita empfiehlt: "Wer beim Essen, Schlafen, Arbeiten und in der Freizeit im Gleichgewicht ist, erlangt Freiheit von allem Elend.“

-Bhagavad-gita 6,17



DIE HAUPTBOTSCHAFT JEDER KRISE

Das Leben lehrt einen aufgeschlossenen Menschen ganz klar, nach innerer Zufriedenheit statt trügerische, äußere Genüsse zu suchen, indem er in vier Lebensbereichen das Gleichgewicht sucht:

1. Auf spiritueller Ebene - kümmert euch jeden Tag mit heiligen Übungen um die Nahrung für eure Seele.

2. Auf körperlicher Ebene - etabliert eine robuste körperliche Gesundheit und ein widerstandsfähiges Immunsystem.

3. Auf emotionaler Ebene - Versucht sinnvolle persönliche Beziehungen aufzubauen und das negative innere Rauschen zu stoppen, indem ihr euch auf positive Ziele fokussiert.

4. Auf gesellschaftlicher Ebene - gebt der Gesellschaft etwas zurück, indem ihr aktiv zum Wohlergehen anderer beitragt.
 

EINE INSPIRIERENDE LÖSUNG

Um das Gleichgewicht mit Frieden und Wohlstand rundum wiederherzustellen, wurden in alten Zeiten aufwändige und oft sehr kostspielige yajnas oder vedische Rituale durchgeführt.

Srila Prabhupada schreibt darüber:

"Diejenigen, die intelligent sind, sollten wissen, dass es im Kali-yuga nicht möglich ist, die vedischen Opfer zu vollziehen... Unter den gegebenen Umständen sollten in diesem Zeitalter alle intelligenten Menschen, um denFrieden und Wohlstand der Gesellschaft zu gewährleisten, sankirtana-yajna abhalten, indem sie die Heiligen Namen - Hare Krishna, Hare Krishna, Krishna Krishna, Hare Hare Hare/ Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama, Hare Hare -chanten. Man soll Menschen einladen, Hare Krishna zu chanten und dann prasada verteilen. Dieser yajna wird alle Halbgötter zufrieden stellen, und dann wird es Frieden und Wohlstand geben".
-Srimad Bhagavatam 4.6.53 Erläuterung

Auch wenn wir uns derzeit vielleicht nicht in großen Gruppen versammeln, ist es sehr gut, wenn wir beim Chanten des Heiligen Namens in Japa und Kirtan Zuflucht finden können. Was auch immer belastend ist wird dann aus dem Weg geräumt werden.

Das wird uns helfen, zufriedener zu werden. Und durch die Erfahrung eines höheren Geschmacks kann das Niedrigere schließlich aufgegeben werden. Mit spiritueller Vertiefung, die uns erhebt, wird es tatsächlich leichter, auf die Maßnahmen während unserer gegenwärtigen Krise zu reagieren und, was noch wichtiger ist, danach ein ausgeglichenes Leben zu führen.

 

DAS ZEITALTER DER VERANTWORTUNGSBEWUSSTEN MENSCHEN

Corona wird schlussendlich verschwinden. So wie die schwarze Pest verschwand, nachdem sie im Mittelalter ein verheerendes Drittel der europäischen Zivilisation getötet hatte. Und was kommt nach der Corona?

Viele Menschen haben eine Chance wie nie zuvor, die klugen Gewohnheiten fortzusetzen, die uns Corona lehrt, und im Gegenzug Meister eines besseren Lebens zu werden. Diese Erfahrung kann uns hoffentlich eines Tages in die Lage versetzen, dem Virus zu sagen: "Danke, du hast unserer Spezies geholfen, in einer Zeit zu überleben, in der alles recht kritisch aussah und viele die Hoffnung aufgegeben hatten, dass wir Menschen uns aus eigener Kraft verändern können.“

Abschließend möchte ich noch einen letzten passenden Aphorismus von Marcus Aurelius anbieten: "Für ein glückliches Leben ist sehr wenig nötig; es ist alles in dir, in deiner Art zu denken.“

Es ist zu jeder Zeit und unter allen Umständen wahr, dass wir, wenn wir ein ausgewogenes Leben führen, mehr Selbstzufriedenheit haben und weniger abhängig von allem, was außerhalb von uns ist, werden.

Ich wünsche euch alles Gute und viel spirituelle Kraft.

Sacinandana Swami

P.S. Ich möchte mein tiefes Mitgefühl und Beileid für all jene auszudrücken, die unter diesem äußerst aggressiven Virus leiden. Vielleicht ist es für alle gut zu wissen, dass wir in unserem kleinen Ashram am See jeden Tag für das Wohlergehen der Opfer und ihrer Angehörigen und Freunde beten.

Mit diesem Artikel wollte ich eine mögliche spirituelle Antwort auf den Ausbruch von Corona aufzeigen. Ich hoffe, einige spirituelle Einsichten aufzeigen zu können, damit meine Leser dann proaktiv und weise reagieren können. Das Leben hat mich gelehrt, dass, wenn man seine Lektionen vor der Prüfung lernt, schmerzhafte Korrekturen nicht mehr nötig sind.

Gleichzeitig tut es mir sehr leid zu hören, dass Menschen sterben und um begrenzte Vorräte kämpfen.

P.P.S. Bitte informieren Sie sich gut über die Verbreitung des Virus und alle empfohlenen Maßnahmen, die wir in die Tat umsetzen sollen.


 

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