"Eine Vision gibt mehr Kraft,
als eine Vergangenheit, die du hinter dir lassen willst."
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Tagebücher von Sacinandana Swami

Nur Am Ufer Von Mutter Ganga

Von Sacinandana Swami

Als ich dieses Jahr in Indien ankam, ging ich schnurstracks ans Ufer der Ganga in Haridwar. Durch die ausgezeichneten Kontakte meines Gastgebers konnte die Gruppe, mit der ich unterwegs war, an der Haupt-puja bei Sonnenuntergang teilnehmen, wo tausende Menschen einer beeindruckenden Opferung zahlreicher lodernder Gheelampen zuschauen, von der jede 108 Flammen enthält. Die puja umfasst vedisches Chanten und einen gewaltigen Kirtan. Die puja wurde sogar in unseren Namen dargebracht. Der Hauptpriester – ein weißhaariger Brahmane namens Purushottama Sharma, ein Anhänger Gandhis, erklärte uns, dass an diesem Ort, Har-ki-Pauri, Gangadevi die langen Strähnen von Shivas Haar verlässt und zum ersten Mal die Erde berührt.

Als die puja vorüber war, lud uns der Priester ein, an eine Uferstelle zu kommen, die wie ein uralter Raum an der Seite des Flusses aussah. Dort erklärte er uns, dass unsere Sinne die Ganga zwar als Fluss wahrnehmen mögen, doch dass sie in Wirklichkeit die Verkörperung flüssigen Mitgefühls ist. Aus diesem Mitgefühls heraus trägt sie jeden, der zu ihr kommt, über den Ozean des materiellen Daseins. „So wie dich deine Mutter immer umarmt, wenn du sie besuchst, egal wie schlecht du dich benommen hast, so wird es auch Mutter Ganga tun,“ sagte er. Dann fragte er mich, was ich erlebt hatte, als ich bei der puja-Durchführung half.

Ich sagte ihm, dass meine Angst von mir gewichen war, ja sogar mein Jetlag, und dass ich wahrnehmen konnte, wie sich eine Tür zu einer neuen Ebene des Krishna-Bewusstseins geöffnet hatte. Er lächelte und sagte: „Wenn du bleibst, erwartet dich noch viel.“

Als die puja vorüber war, saßen wir einige Stunden an Mutter Gangas Ufer und sangen Kirtan. Menschen kamen und sangen und tanzten mit und später sprachen wir mit ihnen über die Herrlichkeiten der Ganga. Was für ein schöner Einstieg in das heilige Indien!
Am nächsten Morgen begaben wir uns auf den Weg nach Vyas Cetti, einem malerischen Ort am Ufer der Ganga, hoch im Himalaya. Hier führte Vyasadeva Entsagungen aus und traf Narada Rishi, Dhruva Maharaja und die zahlreichen anderen heiligen Persönlichkeiten, die damals hier lebten. Bis zum heutigen Tag wohnen hier noch immer zahlreiche Yogis und Mystiker.

Wundersamerweise fließt Mutter Ganga hier in der Form des heiligen aum. Ich habe noch nie einen schöneren Ort gesehen. Vom Dschungel und zahlreichen blühenden Jasmin Büschen umgeben, strömt die Ganga hier mit unaufhaltsamer Stärke durch ihr Flussbett um die Felsen im Wasser herum und über den weißen, perlmuttern schimmernden Sand.

Mein enthusiastischer Gastgeber, der meinen Hang zur Einsamkeit und Ruhe kennt, hatte auf einem kleinen weißen Sandstreifen vier Bambuspfosten errichtet und zwei Decken daran befestigt, um mich vor der Sonne zu schützen. Ich wollte dort vom frühen Morgen bis mindestens zum Mittag chanten und lesen. Doch mir stand eine der größten Überraschungen meines Lebens bevor.
Ich hatte gerade über die Meditation über den Herrn gelesen, wie sie im elften Canto des Srimad-Bhagavatam beschrieben wird. Dann vollendete ich eine vorgeschriebene Anzahl von Atemzyklen und jetzt war es Zeit, aum zu chanten, während ich den Klang im innersten meines Herzens fixierte.

Gerade als ich anfangen wollte, hörte ich mit halb geschlossenen Augen ein Geräusch, welches das Rauschen der Ganga übertönte und meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Als ich meine Augen öffnete, sah ich einen großen silberhaarigen Affen. Sein Gesicht war schwarz, bis auf seine beeindruckenden spitzen weißen Zähne, die er fletschte. Als sich unsere Augen trafen, machte er wieder sein angsteinflößendes Geräusch. Ich brauchte keinen versierten Übersetzter der „Affensprache“ um zu wissen, was er sagte: „Verschwinde, sonst..!“ Und er war nicht allein.

Wird fortgesetzt in „Das Geheimnis des Affen“ …

(Oktober 2015)

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