"In einen kirtan einzutauchen ist wie in
ein Boot zu steigen, das uns schnell in
den heiligen Raum des Herzens bringt
und in die Gegenwart Gottes."
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Ich sehe Dich im Himmel!

Von Sacinandana Swami

„Ich würde nur an einen Gott glauben, der zu tanzen verstünde.“- Nietzsche, Also sprach Zarathustra

Vor einigen Tagen habe ich mit einem meiner besten Freunde einen langen Spaziergang gemacht. Wir waren so ins Gespräch vertieft, dass wir die Zeit vergaßen. Plötzlich bemerkten wir, dass wir von rabenschwarzer Nacht umgeben waren.

Vor kurzem hatte ein Hurrikan die Äste vieler veralteter Bäume abgebrochen und zahlreiche andere entwurzelt, und uns einen verhängnisvollen Heimweg hinterlassen. Glücklicherweise hatte mein Freund ein Handy mit Taschenlampenfunktion und so hefteten sich unsere Augen fest auf den holperigen Boden vor uns. Als wir endlich aus dem dichten Wald herauskamen, hielten wir beide wie auf Zuruf spontan an.

„Ah… schau mal!“ war alles, was wir hervorbrachten.

Wir waren vom wunderbaren Sternenhimmel überwältigt, mit all seinen bekannten Konstellationen – Orion, Großer Bär, Waage… unzählige Sternbilder, die sich in alle Richtungen ausbreiteten.

Während wir beide nach oben schauten, wanderten meine Gedanken in die Vergangenheit. Als kleiner Junge bin ich in Nächten wie dieser aus meinem Schlafzimmerfenster geklettert. Ich bin in unserem Garten umhergestreift und auf einen alten Apfelbaum gestiegen, um über die Welt hoch oben nachzudenken:

„Gibt es Leben auf anderen Planeten? Einen anderen Jungen in einer anderen Galaxie, der auf ‚meinen‘ Planeten schaute und sich fragte, ob wohl jemand zurückschaute?“ Und am wichtigsten: „Wer steckte hinter all dem? Oder gab es keinen Gott?“

„Ganz sicher“, dachte ich oben auf meinem Apfelbaum „muss es da draußen jemanden geben, der all diese Sterne erschaffen hat… aber wer ist er?“

Damals lebte meine Familie in einer großen Villa auf einer kleinen Insel, die einen idyllischen Bahnhof und ein gemütliches Restaurant beherbergte. Ein paar Mal am Tag hielt eine historische rote Lok im Bahnhof. Mein Vater war der respektierte Vorsteher dieses charmanten Unternehmens und ich wurde als einer seiner drei ebenso respektierten Söhne betrachtet. Damals war alles, einschließlich meiner Weltsicht, sehr klein. Doch immer, wenn ich in den nächtlichen Himmel schaute, wurde mein kleiner Geist von großen Gedanken über den Großen hinter all dem bewegt.

„So viele Zivilisationen sind gekommen und gegangen“, dachte ich „so viele Menschen wurden geboren und sind gestorben – und hinterließen nur vergängliche Spuren. Doch ein Zeuge war immer da und wird immer da sein, bis in alle Ewigkeit. Macht er sich um mich Gedanken – so klein und unbedeutend wie ich bin?“

Während ich unter dem sternenbedeckten Himmel stand, wurde ich von Dankbarkeit ergriffen für die vielen Entdeckungen auf meiner spirituellen Reise, angefangen mit den ersten aufkeimenden Gedanken auf jenem alten Apfelbaum vor mehr als einem halben Jahrhundert.

Jetzt wusste ich nicht nur mit Sicherheit, dass tatsächlich “jemand dort draußen” war, ich schaue auch gerührt auf die vielen Augenblicke zurück, in denen dieser jemand auf meine demütigen Versuche, ihm zu dienen, reagiert hat. In seiner Güte gab er mir mein gesamtes Leben hindurch seinen machtvollen Schutz. Er war immer da und hielt mich in sicherer Entfernung von Gefahren – auf wunderbare Weise!

Meine vage Vorstellung von Gott entwickelte sich vom alten Mann im Himmel zum ewig Jugendlichen, der voller Liebe ist und vor Freude sprüht! Gott ist „rasa“ – die Verkörperung von Zuneigung, immer neuer Erlebnisse und transzendentaler Bezauberung. Einer seiner Namen ist Krishna, was bedeutet “der alle Anziehende”. Und wenn jemand versucht, mit ihm eine reine spirituelle Beziehung einzugehen, scheint es, als hätte er darauf die ganze Zeit gewartet…

Ich muss immer lächeln, wenn ich Nietzsches bekanntes Zitat höre: „Ich würde nur an einen Gott glauben, der zu tanzen verstünde.“ Wie es sich herausstellt, tanzt Krishna öfter, als dass er es nicht tut! Dadurch setzt er unter anderem alles Existierende in Bewegung. Nietzsche verkündete das als Protest zu einem Gott, der begrenzt ist, und Krishna ist dafür bekannt, immer wieder aus all den begrenzten Konzeptionen auszubrechen, die wir Menschen ihm auferlegen.

Ich erinnere mich auch an ein Gedicht – es schien manchmal meine Überlegungen zu bekräftigen:

Wir träumen von Reisen durch das Weltall:
ist denn das Weltall nicht in uns?
Die Tiefen unseres Geistes kennen wir nicht.
– Nach innen geht der geheimnisvolle Weg.
In uns, oder nirgends ist die Ewigkeit mit ihren Welten,
die Vergangenheit und Zukunft.
(Novalis, Blütenstaub, 1798)

Unter diesem nächtlichen Himmel bewegten mich auch Gefühle der Dankbarkeit, weil ich von seinem reinen Devotee lernen durfte. In gewisser Weise endete meine Suche, während sie auf eine andere Weise gerade begonnen hat, weil mein Herr immer wieder neu und überraschend ist - und nie langweilig und berechenbar.

An diesem Abend reichte ein kurzer Blick in den nächtlichen Himmel, um seine unbegrenzten Wunder zu erahnen.

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