"Eine Vision gibt mehr Kraft,
als eine Vergangenheit, die du hinter dir lassen willst."
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Unseren guten Vorsätzen gerecht werden

Von Sacinandana Swami

Vor zwei Jahren schrieb mir ein Teilnehmer des Sanga Mela Festivals zutiefst besorgt. Er hatte versagt! Er war nicht in der Lage, seine Vorsätze, die er nach der Teilnahme am Retreat getroffen hatte, beizubehalten. Bereits nach einem halben Monat waren seine Vorsätze auf der Strecke geblieben…
 
In meiner Antwort erklärte ich ihm, dass er nicht der einzige ist, der gegen sein besseres Wissen handelt. Als jemand, der regelmäßig Retreats gibt, habe ich oft gesehen, wie schwierig es für viele ist, ihre neuen Erkenntnisse umzusetzen.
 
Was hindert uns daran, unsere Vorsätze umzusetzen? Und können wir etwas dagegen tun?
 
Zu erst einmal sind wir Menschen notorisch schlecht darin, Versuchungen zu widerstehen - besonders wenn wir überarbeitet, müde oder gestresst sind. Unsere Tendenz ist es, die Freuden der Gegenwart mehr zu schätzen als die möglichen Erfolge der Zukunft. Daher machen wir oft nicht das, was für uns am besten ist.
 
Ihr habt wahrscheinlich von Professor Mischels berühmtem Marshmallow-Experiment gehört. Kinder, die der Versuchung widerstehen konnten, sofort einen vor ihnen liegenden Marshmallow zu essen, werden fünfzehn Minuten später mit einem zweiten Marshmallow belohnt. Diejenigen Kinder, die sich der anfänglichen Versuchung widersetzten und Selbstbeherrschung zeigten, haben später im Leben beruflich und privat mehr Erfolg. Das Experiment zeigte, dass Sinneskontrolle und erst spätere Belohnung für ein bestimmtes Ziel vielversprechende Ergebnisse liefern können.
 
Obwohl die Bedeutung der Selbstbeherrschung auf jedem echten spirituellen Weg betont wird, befürchte ich, dass sie nur durch Willenskraft ausgeführt auf lange Sicht nicht erfolgreich ist. Besonders ungesund ist der innere Kampf, den wir erleben, wenn wir allein unsere Willenskraft einsetzen, um unsere Sinne und Entscheidungen zu kontrollieren. Wir werden einen solchen Kampf unweigerlich verlieren, weil wir gegen einen Feind kämpfen, der viel stärker ist als wir - unseren eigenen Geist.
 
Ein starker innerer Konflikt entsteht, wenn unser Geist gegen das kämpft, von dem wir wissen, dass es auf lange Sicht das Beste für uns ist. Ein solcher innerer Kampf erzeugt mehr Stress und kann uns krank machen. Die Willenskraft und ihr Nutzen schwinden durch einen solchen inneren Kampf letztlich vollständig - und lässt uns hoffnungslos im Erfüllen unserer spirituellen Ziele und Vorsätze zurück. Eine ziemlich aussichtslose Situation!
 
Um es klar auszudrücken: Willenskraft und Selbstbeherrschung haben große Bedeutung. Dennoch kann der Vorsatz, dass wir etwas tun müssen, das für uns besser ist (z. B. mehr lesen, mehr trainieren, früher aufstehen usw.), während wir allein von unserer Willenskraft abhängen, um dies zu erreichen, zu einem erbärmlichen Kampf führen. Ein Kampf, der oft zum Scheitern verurteilt ist. Es muss also etwas falsch an unserem Ansatz, unsere Ziele zu erreichen sein, wenn solch übermäßige Anstrengung erforderlich ist.
 
Die gute Nachricht ist, dass Krishna uns ein wirksameres Instrument als unsere begrenzte Willenskraft gegeben hat: den höheren Geschmack. Die Gita stellt dieses wichtige Instrument im folgenden Vers vor:
 
viṣayā vinivartante
nirāhārasya dehinaḥ
rasa-varjaṁ raso ’py asya
paraṁ dṛṣṭvā nivartate
 
Die verkörperte Seele kann zwar von Sinnenfreuden zurückgehalten werden, doch der Geschmack für die Sinnesobjekte bleibt. Wenn sie jedoch solche Neigungen aufgibt, da sie einen höheren Geschmack erfährt, ist sie im Bewusstsein gefestigt.  (Bhagavad-Gita 2.59)
 
Was kann uns diesen dringend benötigten höheren Geschmack geben? Aus spiritueller Sicht ist sadhu-sanga (Gemeinschaft mit ernsthaften spirituell Übenden) der Schlüssel, um den höheren Geschmack, der zum Erreichen unserer spirituellen Ziele notwendig ist, zu erlangen. Dies liegt daran, dass die Quelle von bhakti sadhu-sanga ist - nicht unsere Willenskraft.
 
Genauso wie es bei allem, das uns interessiert wichtig ist, von jemandem, der fortgeschrittener ist als wir, gecoacht und angeleitet zu werden, so ist es der Schlüssel zu unserem spirituellen Erfolg, mit erhebenden Menschen, die uns inspirieren, unterstützen und befähigen, auf unserem spirituellen Weg mit Kraft weiterzugehen, zusammen zu sein und ihnen zu dienen.
 
Sadhu-sanga wird uns ermutigen, auf natürliche und spontane Weise spirituelle Tätigkeiten wie die pancanga bhakti auszuführen (über die heiligen Schriften zu hören, die heiligen Namen Gottes zu chanten, das Göttliche zu verehren, mit frommen Devotees Gemeinschaft zu pflegen und an einem heiligen Ort zu leben). Die Kraft, die aus einer solchen Gemeinschaft hervorgeht, ist eine Art erneuerte, unbegrenzte und ständig wachsende spirituelle Kraft.
 
Lasst uns deshalb die notwendige Inspiration bei denen suchen, die den Weg, den wir gehen, bereits erfolgreich gegangen sind! Dies wird unser Bewusstsein von dem Gedanken, dass wir etwas mit unserer Willenskraft tun sollten oder müssen, zu dem tatsächlichen WUNSCH bringen es zu tun, weil wir vom Beispiel ernsthaft spirituell Übender inspiriert wurden.
 
Wenn wir zum Beispiel denken: „Ich sollte mehr lesen!“, lasst uns die Gemeinschaft derer suchen, die regelmäßig heilige Schriften lesen und großen Geschmack an deren Weisheit haben. Auf diese Weise entwickeln wir eine inspirierende Haltung von „Lass mich in ihre Fußstapfen treten, da ich auch mehr lesen möchte!“. Diese Inspiration wird stärker sein als reine Willenskraft, da sadhu-sanga Wunder wirkt.
 
Der Schlüssel ist: Versuche mit heiligen Devotees Gemeinschaft zu pflegen und von ihnen zu lernen.
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