"Eine Vision gibt mehr Kraft,
als eine Vergangenheit, die du hinter dir lassen willst."
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Tagebücher von Sacinandana Swami

Kartik in Jagannatha Puri (Oktober 2009)


1. Tag

Es ist 22.00 Uhr... Dort, in der Ferne, steht der beeindruckende Dom des Shri Mandirs, dem Tempel des Herrn des Universums.
Ich erinnere mich: „Dhama bezeichnet einen Ort, an dem man den höchsten Herrn sofort kontaktieren kann.“ (Shrimad Bhagavatam 4.9.42, Erläuterung)
„Wie wird das dhama zu mir kommen?“, frage ich mich.
Bevor ich mich versehe, sitze ich vor einem vollen Teller mit Jagannatha’s maha-prasadam.
In Vrindavana kann man sich durch den Staub mit der besonderen Barmherzigkeit des Herrn verbinden, der von seinen bloßen Lotusfüßen berührt wird; und in Jagannatha Puri dhama durch Shri Jagannatha’s köstliches maha-prasadam.
Es funktioniert; mein törichtes Herz – entspann dich!

 


2. Tag

Heute beginnt kartik. Am Nachmittag kamen Madhavananda und Satyadeva und stellten mir ihre Gruppe japanischer Devotees vor. Sie baten mich eine Ansprache zu halten, um den Anfang des Damodara-vratas zu zelebrieren. Oh, diesen kirtana zu singen war so gut! Wir erfahren, dass eine der japanischen Devotees unterwegs ihren Körper mit schwarzem Kajal eingerieben hatte. Als sie von den Wächtern, Knüppel in den Händen, gefragt wurde, von wo sie komme, antwortete sie: „Assam me.“ (Ich bin aus Assam). Shri Jagannatha bedeckte die Intelligenz der Wächter und erfüllte ihren Wunsch nach seinem darshana.








 

   


3. Tag

Ich sitze vor Tinkari Babas bhajan-kutir (Meditationshütte). Tinkari Baba war ein Heiliger, der hier vor 50 Jahren drei Mal täglich 64 Runden des maha-Mantras chantete. Der Baum, unter dem ich sitze, ist derselbe, unter dem Tinkari Baba damals saß und er scheint die transzendentale Klangschwingung dieses siddha purushas (vollkommenes Wesen) in sich „aufgenommen“ zu haben. Ich fühle mich in meinem Chanten ermächtigt; ich sehe Vrindavana und erinnere mich an lilas (Spiele).
Durch die Segnungen eines Heiligen kann selbst ein Blinder die Sterne am Nachthimmel sehen. Sicherlich bin ich eine schwarze Ameise auf einem schwarzen Stein in einer mondlosen Nacht – aber Shrila Prabhupada fand mich. Er belebte mich mit einem Strahl seiner Barmherzigkeit und ermöglichte es mir den großartigen Pfad des Krishna-Bewusstseins zu gehen.
Was wird mit dieser vom Glück begünstigten Ameise noch geschehen?
 

   


4. Tag

Oh, es ist so schwül und schweißtreibend...
In der ersten Nachthälfte ist es so heiß, dass ich aufwache und das Gefühl habe in einer Badewanne voller Schweiß zu liegen. Selbst das Kissen ist klitschnass... Zeit, Duldsamkeit zu üben... duldsam sein, wie ein Baum.
Heute erzählte mir ein Devotee aus Assam, wie er mitten in der Nacht von einer jammernden Katze aufgeweckt wurde. Er war den Tag zuvor in Puri angekommen. Aufgebracht darüber, dass er beim Schlafen gestört wurde, stand er auf, um die Katze wegzujagen – aber leider traf er sie dabei so ungünstig, dass sie starb.
Seitdem hörte er auf Untergeordnete auszuschimpfen oder zu bestrafen. Er ist jetzt der Leiter eines großen Aschrams in Puri und meint, Shri Jagannatha habe diese Lektion für ihn arrangiert. Er erinnert sich immer: „Bekämpfe die Fehler anderer nicht – erdulde sie!“
Die Kraft, die Fehler anderer, und alle möglichen anderen Probleme, zu erdulden, kommt von bhajan.

   



5. Tag

Mein Herr, sprich zu mir!
In den folgenden Einträgen werde ich dir einen beklemmenden Zweifel vorstellen, der mich bei meinen jährlichen japa-retreats ab und zu heimsucht. Mal sehen, wie ich dieses Mal damit fertig werde! Ich werde versuchen diesen schmerzhaften Zweifel ein für alle Mal zu beseitigen. Hoffentlich. Zumindest muss ich ihn wegscheuchen. Herzlich willkommen zu meinem Kampf.

Vorgestern überfiel er mich mit voller Kraft – lebensbedrohlich. Er stellte alles, was ich bisher gemacht habe, in Frage – mein alter Zweifel, der mich seit vielen Leben begleitet.
Hier ist er:
Was, wenn du dir das alles nur einbildest?
Könnte es sein, dass Krishna nur ein Produkt deiner Phantasie ist?
Bist du nicht wie ein Mann in der Wüste, der unablässig um Hilfe ruft, aber am Ende verdurstet?
Hat Krishna dir jemals geantwortet? Wenn er da ist – warum spricht er dann nicht zu dir?

   



6. Tag

Ich sitze im Garten von Tota Gopinatha – ganz allein. Irgendwo hinter den Bäumen spüre ich jedoch die Anwesenheit „meines“ Zweifels. Die schwierige und trockene Nachmittags-japa-Zeit liegt vor mir. Hare Krishna... Selbst die Hunde und Mücken verdauen und schlafen um diese Zeit! „Hört der Herr mein Rufen?“, das ist die Frage.
Plötzlich – wie eine erfrischende Brise – dämmert eine Verwirklichung in mir: Der Herr hört einen Devotee, der sich ihm beim Beten hingibt. Ergebe dich einfach dem Chanten! Tue es als einen Dienst!
Genau wie Gadadhara Pandita, der, vom hohen Alter gekrümmt, immer noch seinem Gopinatha dienen wollte. Gopinatha erhörte seinen Wunsch und setzte sich einfach nieder, um die Girlanden von Gadadhara entgegenzunehmen.
Beim Chanten ist Hingabe erforderlich. Liebe ist die Grundlage für die Kommunikation mit dem Göttlichen.
Suche beim Chanten nicht nach deiner eigenen „spirituellen Freude“. Gebe dich ihm allein hin. Gebe selbst die Gründe auf, aus denen du dich ursprünglich den Devotees angeschlossen hast.
Aus diesem Gedanken schöpfe ich neue Kraft – während mich mein Zweifel ungläubig anblickt.

   

   



7. Tag

Die Kampfarena, in der ich mit meinem Zweifel ringe, wechselte diesen Nachmittag zu Shrila Bhaktisiddhanta Saraswati Thakura’s bhajan kutir (Meditationshütte) auf den Chataka Parvata Sanddünen. Vor neun Jahren habe ich hier mitten unter den Affen mein -Gelübde durchgeführt. Ein Falke landet plötzlich auf dem Baum zu meiner Linken, eine riesige Maus baumelt in seinen Krallen.

Ich erinnere mich an einen Vers, den Shrila Bhaktisiddhanta Saraswati Thakura häufig zitierte:

„O mein Herr, du bist so barmherzig zu deinen Devotees, dass du dich ihnen in der bestimmten ewigen, transzendentalen Form offenbarst, in der sie immer an dich denken.“ (SB 3.9.11)

Ok, das ist ein guter Punkt.:
Wisse, wen du rufst! Konzentriere dich immer auf ihn. Kein Mann verliebt sich in das abstrakte Konzept „Frau“. Nein, er denkt an eine bestimmte Person.

Gott ist ein umfangreiches Thema, auf tausenderlei Art definiert. Um Kontakt aufzunehmen, musst du dich auf die Form Gottes konzentrieren, zu der du dich am meisten angezogen fühlst. Sonst bleibt er still, da er nicht erkennt, wen du rufst – wie im Falle des Heiligen Atri[1].

   



8. Tag

Heute sitze ich am Meer von Puri, ich chante mit dem Wellenschlag. Zweifellos sprechen die großen, braunen Wellen: kra-whumms, schhuuu...

Auf einmal, völlig unerwartet, wird mein Herz ganz weich und liebevoll gegenüber Krishna. Er spricht zu mir mit den Worten der Gefühle. Bhakti, unmittelbare Erfahrungen und Loslösung von der Materie sind Geschenke, die Krishna in das Herz eines Chantenden gibt. Eines dieser Geschenke sagt oft mehr als tausend Worte.

Diese Gnadengeschenke können als Antwort des Herrn gesehen werden – sichere Zeichen, dafür, dass er seinen Devotee gehört hat. Ganz wie die Wellen, beweisen diese drei Verwirklichungen, dass Krishna’s ozeangleiche Herz sich in Wellen der Barmherzigkeit zu uns neigt.
 

   


9. Tag

Shrila Prabhupada wurde einmal gefragt, ob der Herr zu allen Devotees, die in dieser Welt sind, spreche. Er antwortete mit einem bestätigenden „Ja“, fügte jedoch hinzu: „Er wird nur zu ernsthaften Devotees sprechen. Er spricht nicht zu Quatschköpfen.“ Um diesem Punkt Nachdruck zu verleihen zitierte er: tesham satata yukatanam aus der Gita („Denjenigen, die mir ständig hingegeben sind und mir mit Liebe dienen, gebe ich das Verständnis, durch das sie zu mir gelangen können.“ BG 10.10).

Doch als ich meinem Zweifel diesen Punkt präsentierte, wurde er noch aggressiver. (Vielleicht war er gezwungen auf Aggression zurückzugreifen, weil ihm die Munition knapp wurde.)

„Hat Krishna schon zu dir gesprochen? – Keine falschen Hoffnungen bitte!“, verlangte er zu erfahren.

Zum Glück war ich schon gut vorangekommen in meinem japa-retreat hier in Puri. Nach meinen anfänglichen Schwierigkeiten, konnte ich aus den kleinen Erfahrungen der letzten Tage zu meinem Zweifel sprechen und auch die Erfahrungen unvergesslicher Devotees hinzuziehen. Also antwortete ich mit Zuversicht:

„Wenn du mit dem Herrn sprichst – das heißt, wenn du dich durch die japa an ihn wendest, wird er dir antworten. Du musst aber mit deinem Herzen aufmerksam zuhören. Er wird zu dir sprechen, während du die heiligen Namen chantest. Folgende Dinge könnten passieren, während du chantest – Dinge, die wir als göttliche Verwirklichungen sehen können:

1) Dein Geist ist plötzlich zu Krishna hingezogen und entwickelt einen unwiderstehlichen Geschmack.

2) Du erfreust dich auf einmal an Krishna’s Süße oder an Dingen und Personen, die mit ihm in Verbindung stehen.

3) Als Resultat deiner Gebete während des Chantens manifestieren sich in deinem Geist konkrete Bilder von Diensten und Arten der Verehrung.

4) Du entwickelst Stetigkeit in deinen spirituellen Übungen und deinem Krishna-Bewusstsein.

5) Während des Tages erinnerst du dich an Radha und Krishna und ihre faszinierenden Spiele.

6) Du bemerkst, dass du sowohl in deinem Charakter, als auch in deinem spirituellen Leben qualifizierter geworden bist.

7) Du erwachst zu deiner ewigen Beziehung mit Radha und Krishna und bekommst eine klare Vorstellung von deinem Dienst in ihrer Welt.

Dies sind keine leeren Versprechungen, sondern Tatsachen, die viele Devotees erfahren haben, die ihr Chanten der heiligen Namen ernstnahmen und sich aufmachten Zeit und Energie in diese vorrangige spirituelle Übung zu investieren.

Und ja, Krishna spricht auch direkt...“

Während ich so zu meinem zweifelnden Geist sprach, bemerkte ich ein überraschendes Phänomen. Der Geist wurde zufrieden – der Zweifel verschwand.

Es war erfreulich zu sehen, dass mein Geist wirklich glauben wollte. Er war nicht glücklich dabei, von Zweifeln geplagt zu werden.

Vielleicht wird der Zweifel erneut zurückkehren, wenn ich mich im Westen in weniger vorteilhaften Verhältnissen befinde. Ich will deshalb jetzt besser chanten und mit Freude die Entbehrungen auf mich nehmen, die es anscheinend braucht, um die materielle Ebene zu durchbrechen. Das nächste Mal werde ich hoffentlich direkt aus der Erfahrung sprechen. Oder ich werde einfach „nicht zu Hause“ sein, damit mich der Zweifel nicht findet.

   



10. Tag

„Das kann doch nicht wahr sein!“, höre ich Kishori rufen. Es ist kurz vor dem Frühstück, wir laufen alle in die Küche.

Kishori zeigt uns die sorgfältig verschlossene Plastikbüchse. „Die Ameisen haben Jagannatha’s maha-prasadam gefunden! Sie kommen einfach überall hinein!“, fassungslos schüttelt sie ihren Kopf.

Die Ameisen aus Puri sind weltbekannt für ihre Fähigkeit Lebensmittel zu finden. Sie werden sogar im Chaitanya Charitamrita erwähnt! Die einzig sichere Art Lebensmittel aufzubewahren ist, wenn sie von Wasser umgeben sind. (Man nimmt einen großen Teller, füllt ihn mit Wasser und stellt die Schüssel mit dem Essen in die Mitte. Oder man stellt alle vier Tischbeine in Wasserschüsseln, dann kann man die Lebensmittel auf den Tisch stellen.)

Die Begierde der Ameisen nach Lebensmitteln, besonders nach Süßem, hilft ihnen alle Hindernisse zu überwinden. Sie klettern Wände hoch, um an Regale ranzukommen. Sie krabbeln an Zimmerdecken entlang, von denen Essensbeutel an Seilen herunter hängen und irgendwie klettern sie das Seil hinunter. Sie knacken Tresore, besteigen Berge und springen von Bäumen – eines Tages werden sie bestimmt verschiedene Schwimmtechniken erlernen oder Schiffe bauen. Begierde ist der beste Lehrer.

Was für ein gutes Vorbild für das spirituelle Leben – ein Vorbild für Begierde. Wenn eine gewöhnliche Ameise so begierig nach ein paar Krümeln Zucker ist; wie begierig sollten wir dann sein, um Krishna zu erlangen? Diese Begierde kann man bekommen, wenn man das Verhalten fortgeschrittener Devotees beobachtet oder sich im heiligen dhama aufhält, das gefüllt ist mit den Schwingungen von Shri Chaitanya und seinen Gefährten. Es liegt in der Luft in Puri... Horche aufmerksam in die Nacht und du wirst Shri Chaitanya’s Rufen nach Krishna immer noch hören: Wo bist du, Krishna? Wo bist du, Flötenspieler? ...

Nur Begierde kann die Kluft zwischen uns und Gott schließen. Allein diese Begierde bewegt den Herrn schließlich zu uns zu sprechen.hst

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Nur Begierde kann die Kluft zwischen uns und Gott schließ

   



11. Tag

Wunder der Liebe (Teil 1)

„Das ist so barmherzig, riechst du das?“

Bhurijana Prabhu und ich bleiben auf der Straße stehen. Auf unserer linken Seite dehnt sich ein riesiger Müllhaufen aus, rechts von uns entleert sich eine Kuh, gerade eben läuft ein rauchender Inder vorbei. Wir atmen die Luft ein, wie ein Cholerakranker Gangeswasser trinkt.
Wir schmunzeln, lachen und umarmen uns (der Inder denkt wahrscheinlich, dass wir unter geistiger Unausgewogenheit leiden). Doch da ist es wieder, deutlich und völlig überwältigend: ein süßer, starker Duft, fast wie das Aroma von wohlriechendem Honig. Darin riechen wir den feinen Duft vieler Blumen. Könnte es sein, dass ein göttliches Wesen, ausgerüstet mit Verehrungsutensilien und himmlischen Blumen, soeben Puri besucht hat, um Jagannatha’s darshana zu bekommen? Gebannt verharren wir an der Stelle, wir haben völlig vergessen, dass wir auf der Straße stehen.

Später, auf dem Weg zu Tota Gopinatha riechen wir den nächsten überirdischen Duft, diesmal eher wie Jasmin. Wie betrunkene Schmetterlinge lassen wir uns in dem Duft treiben; werden aber schnell wieder nüchtern. Der Duft ist für Krishna’s Genuss bestimmt, lass uns die Opferung nicht verderben!

Bis jetzt habe ich solche himmlischen Düfte nur in der Nähe von Giriraja gerochen; aber die Prinzipien des dhamas gelten für jedes dhama.

Viele erhabene Besucher kommen hierher und Krishna offenbart sich diesen Devotees, entsprechend ihrer Hingabe – hier mehr als an anderen Orten. Shrila Prabhupada erklärt dazu: das dhama ist ein Ort, an dem es einfach ist Krishna zu kontaktieren.

Im Chaitanya Charitamrita hören wir, wie Krishna vor Shri Chaitanya erschien. Nachdem der Herr wieder verschwunden war, hing sein Duft noch in der Luft und Chaitanya jagte ihm hinterher. Die Devotees sagen, Krishna habe ein Problem: Er kann nicht völlig verschwinden. Sein Duft bleibt...
Mit Sicherheit können wir ihn in Puri im maha-prasadam riechen und manchmal vielleicht in der Luft.
 


12. Tag

Wunder der Liebe (Teil 2)

Nachdem ich eine Zeit lang auf der Sanddüne vor Shrila Bhakitsiddhanta Sarasvati’s bhajan-kutir meine Runden gechantet hatte, fühlte sich Mutter Natur sicher, ihre Kinder nicht länger vor mir verbergen zu müssen. Die Tiere und ich fühlten uns bald wohl miteinander. Dies geschieht oft, wenn die Tiere im heiligen dhama einen Chantenden hören und sehen. Sie scheinen spirituelle Tätigkeiten zu erkennen und wertzuschätzen. Ein Mungo war auf Patrouille, um Schlangen fern zu halten. Neben meinen Knien hüpften ab und zu Frösche vorbei. Die kleinen, lärmenden Affen waren mit den 1001 kleinen Dingen ihres Familienlebens beschäftigt. Falken, Kuckucke, Adler und Krähen landeten und traten ihre Reisen an, singend, gurrend, chantend und krächzend. Und die Schmetterlinge tanzten in den Sonnenstrahlen. Alle waren friedlich und schauten ermutigend auf mich: gut, dass du chantest.

Plötzlich sah ich, wie mich ein schwarzes Gesicht mit starren Augen musterte, dann bewegte sich silber-weißes Fell hinter dem Gebüsch. Was für eine Überraschung. Dann kam er auf mich zu: größer als ein Mensch – ein Hanuman-Affe. Er drehte sich um und befahl ungefähr sieben bis acht anderen Riesenaffen mit super langen Schwänzen weiter zu gehen.
Später sah ich ihn wieder: nachdem ich eine weitere Stunde konzentriert gechantet hatte, öffnete ich meine Augen und sah den majestätischen Affenanführer direkt neben mir. Er lehnte sich gegen die Wand des bhajan-kutirs an und hörte meinem Chanten zu. Diesmal hielt ich inne und schaute ihm in die Augen. Er war ruhig, gelassen und erwiderte meinen Blick. Spontan dachte ich: ‚Du bist kein Affe.’ Und fast telepatisch schien er zu antworten: ‚Und du bist kein Mensch. Ob in einer Menschen- oder Tierhaut, wir sind alle Jagannatha’s Diener.’ Dann stand er auf und sprang 5 oder 7 Meter auf einen großen Baum zu und verschwand.

Als ich mich am Radhakund aufhielt, sah ich Kühe, die an der Morgen-aratik teilnahmen. Eine Schildkröte kroch regelmäßig in den Tempel, um zu frühstücken und ein Hund sang (bzw. heulte) die Abend-aratik.

„Ich verehre das Gras, die Kletterpflanzen, Insekten, Würmer, Kühe, Bullen, Pfauen und alle anderen in Vrindavana. Nicht einmal Brahma und Uddhava haben solches Glück – und streben deshalb immer nach deren Stellung. Sie sind Mukunda sehr lieb, weil sie ihn in seinen Spielen unterstützen.“ (Vraja Vilasa Stava)

Während ich dies schreibe, krabbelt ein farbenprächtiger Käfer mit meinem Stift über das Blatt – als ob auch er eine Botschaft ausrichten möchte: das Paradies auf Erden ist möglich im Dienst zum Herrn.
 

   


13. Tag

Wunder der Liebe (Teil 3)

Der Herr antwortet auf ein Gebet

Heute habe ich im Tota Gopinatha Tempel gechantet – vor mir eine Tulasi Pflanze und dann, nach 10 Metern oder mehreren Leben Entfernung kommt die schöne Altarfigur von Gopinatha.
Trotz dieser göttlichen Atmosphäre schien ich mechanisch zu chanten, ohne Gefühle.
Plötzlich hörte ich eine Stimme hinter mir:
„Die heiligen Namen können nicht vom Geist oder Körper aus gechantet werden. Es muss von der Ebene von bhakti geschehen, die in deinem Herzen wohnt – wenn sie dir gegeben wird. Suche nicht in deinem Kopf nach bhakti – suche in deinem Herzen.“
Ich drehte mich um und sah den alten, dünnen sannyasi aus Bengalen; er gibt Vorträge für die bengalischen Pilger, ist demütig und gelehrt. Er lächelte und sagte: „Ich dachte, dass du das hören musst. Bete doch zu Gopinatha um das Geschenk des heiligen Namens mit Liebe!“
Gute Idee... Dies ist mein Gebet für etwas Leben in meinem Herzen:
„Als was auch immer ich aufgrund der Fehler meiner vorangegangenen weltlichen Taten Geburt nehme – ich bete, dass ich deine heiligen Namen singen und chanten mag – Geburt für Geburt. Das ist mein einzig echter Wunsch, O Herr, und ich bringe ihn vor deinen Füßen vor: möge motivlose und unablässige Hingabe zu dir in meinem Herzen erwachen. Ich bete, dass sich ein ähnliches Ausmaß an Anziehung, wie ich es jetzt für materielle Tätigkeiten habe, für deine heiligen Füße entwickeln mag. Ich bete, dass meine Liebe zu dir sowohl im Glück als auch im Unglück unbeeinflusst bleiben mag; und dass sie Tag für Tag durch die Kraft und den Einfluss des heiligen Namens stärker werden mag.“
Die Antwort auf dieses Gebet kam schneller, als ich dachte und aus einer völlig unerwarteten Richtung: heute Abend kam ein pujari von Jagannatha in unsere Unterkunft und schenkte mir ein seltenes Seidentuch, auf dem von Liebe erfüllte Verse der Gita Govinda gestickt sind. Der Herr trägt diese wunderbaren Verse jeden Abend auf seinem Körper. Diese Verse drücken die höchste Liebe zwischen dem Herrn und seinen vertrautesten Devotees aus. Er kann ohne sie nicht einschlafen. Jetzt kann ich mir das Tuch um den Hals legen... damit ich vom Kopf ins Herz gelange.
 

   


14. Tag

Wunder der Liebe

„Oh, wie sehr sehne ich mich danach, mit Gefühlen der Liebe und Hingabe für dich zu chanten!“

„Dann singe meinen nama-kirtana!“

Wenn man früh am Morgen zum Gopinatha Tempel läuft, kann man ihn sehen und hören: Vasudeva, er ist als der „Verrückte“ bekannt und die Leute schätzen ihn sehr. Er ist klein, hat zerzauste Haare, trägt alte abgetragene Kleidung und einen langen Stock, an dessen Ende eine Schelle läutet, mit der er den Rhythmus für die Lieder, die er kennt, angibt: He Madhava, Ohe Nila Madhava, He Govinda, He Gopala!
Er sieht wie ein Sufi Fakir aus – wer weiß?
Wenn er die Straße entlang geschritten kommt, tritt jeder, selbst die Bullen, respektvoll beiseite. Seine Augen sind blind für die Welt, obwohl er sieht: He Madhava, Ohe Nila Madhava...
Ich liebe sein Lied. Es inspiriert mich, mein eigenes zu finden: seinen Namen mit Liebe zu chanten.
 


15. Tag

Augenblicke nach dem Diebstahl

Liebe zu Krishna kommt am Anfang wie ein Herbststurm. Mit großer Stärke drückt er die Bäume zuerst zu Boden und nimmt dann all ihre Blätter – die trockenen und die frischen.
Das Singen der heiligen Namen kommt auf ähnliche Weise zum Chantenden und ruft ein Gefühl tiefer Demut hervor. Die Tür zum Herzen wird aufgeweht und lässt den Chantenden sich tief verneigen.
Wo ist der Chantende und wo ist das göttliche Paar?
Alle Wünsche werden dann zu Krishna gebracht.
Und dann sammeln die hingebungsvollen Gefühle Kraft an und entführen das Herz. Die Tür des Herzens wird weit offen gelassen und bewegt sich manchmal mit einem schluchzenden Laut.
Ich schaue auf meinen Altar.
Da sind die Diebe
Shri Shri Radha Rasabihari
und da ist Shri Chaitanya, er weint.
Seine Tränen strömen so üppig,
dass sie aus dem Bild zu fließen scheinen
über das Harinama Tuch
hinab auf den Zimmerboden.
Süße Tränen – manchmal ein ganzer Bach davon.

Ein Augenblick nach dem Diebstahl
die Haustür war weit offen,
das wichtigste Gut fehlte – das Herz.
Nun weint der Besitzer – er ist die glücklichste Person.

 


16. Tag – Shrila Prabhupada’s Verscheidungstag

Was gibt es zu sagen? Was zu denken? Was zu tun?
Wohin bist du gegangen?
Ich war 1977 am Boden zerstört und 32 Jahre später bin ich es immer noch, der einzige Unterschied ist, dass ich gelernt habe mit dem Schmerz zu leben.
Damals dachte ich, alles sei dahin, jetzt frage ich mich, wie ich dich kontaktieren kann.
Ich höre an dieser Stelle besser mit Schreiben auf – zwiespältige Gefühle ergeben für jene außerhalb der eigenen kleinen Welt keinen Sinn.
Hier ist ein Foto von Pisima – Shrila Prabhupada’s Schwester, vor dem vyasasana ihres geliebten Bruders; Shrila Prabhupada’s Körper wird zeremoniell auf den Sitz gesetzt (Vrindavana, Krishna-Balarama Tempel, 15. November, 1977).
Welch tiefe Gefühle!

   


16. & 17. Tag

Einleitung – Ein Tribut für Shrila Prabhupada

Ich habe eine Krankheit namens „Kannalleine“. Es fing an, als ich fünf Jahre alt war. Mein Großvater erzählte mir einst: „Wann immer wir spazieren gingen, hast du, sobald die Gartentür hinter uns zugefallen war, deine kleine Hand aus meiner herausgezogen. Selbst wenn ich versuchte, dich festzuhalten, hast du dich gewehrt und gerufen ‚Kannalleine!‘ bis du frei warst. Und dann bist du überall umher gerannt.
Nur wenn ein Hund auftauchte, bist du zurückgerannt und hast deine Hand in meine gelegt. Du hattest immer Ärger mit Hunden.“

Obwohl diese Haltung im materiellen Leben ihre Vorteile haben mag, kann sie im spirituellen Leben gefährlich sein. In folgendem Beitrag habe ich versucht meine eigenen Verwirklichungen über Notwendigkeit Shrila Prabhupada nahe zu bleiben zu reflektieren.
Genauer gesagt habe ich daraus eine kleine Technik entwickelt:
im Geiste beim Chanten in der Nähe des spirituellen Meisters zu sitzen.
In meiner Meditation sitzen wir beide bei den Lotusfüßen des Panca Tattvas und Shri Shri Radha Gopinatha mit ihren liebevollen Gefährtinnen und Gefährten.
Oh, diese Meditation ist der „Wind in meinen Segeln“ geworden, sie hat mir sogar Flügel zum Fliegen verliehen oder mich mit Geschmack erfüllt.


Tribut für Shrila Prabhupada

Wenn ich den heiligen Namen den ganzen Tag chante, merke ich bald, dass meine Beziehung zu Krishna eingehend geprüft und schließlich offenbart wird. Keine Einbildung mehr – vor meinen Augen befindet sich die nackte Wahrheit!
Ja, ich wäre gern ein Gott-berauschter Liebender Krishnas und ja, ich wäre gern reiner. Aber insbesondere in Zeiten, wenn ich entweder müde oder hungrig und bedürftig bin, oder Schmerzen habe, werde ich gezwungen den Tatsachen ins Auge zu sehen: ich bin äußerst begrenzt und unbedeutend, eine arme bedingte Seele. Hilflos, aber nicht hoffnungslos!

Ja, es gibt Hoffnung. Die Hoffnung ist die Barmherzigkeit meines spirituellen Meisters, durch dessen Kraft das Unmögliche möglich wird! Selbst ich kann jetzt eine erfüllende Beziehung mit dem heiligen Namen haben – mit Radha und Krishna.
Shrila Prabhupada sitzt in der Nähe von Radharani und Gopinatha und wenn ich in seiner Nähe bin, bin ich auch in der Nähe des göttlichen Paars.
Der Herr beschreibt diese Nähe mit seinen eigenen Worten:
„Ich stehe völlig unter der Kontrolle meiner Devotees. Ich bin in der Tat überhaupt nicht unabhängig. selbst ich, eine unbedeutende Ameise, Zugang zu Shri Krishnachandra finden. Wenn ich es jedoch vermeide den reinen Devotee zufriedenzustellen, bin ich dann nicht wie eine Ameise, die versucht zum Mond zu springen? In den Schriften finden wir eine zum Nachdenken anregende Analogie, in welcher der Herr mit der Sonne verglichen wird, der Guru mit einem Teich und der Schüler mit einer Lotusblume.
Wenn sich der Teich zurückzieht, wird dieselbe Sonne, welche die Lotusblume im Wachstum nährt, die Blume verbrennen und austrocknen, bis sie schließlich farb- und geruchslos stirbt.
Dasselbe geschieht einem Schüler, der versucht dem Guru aus dem Weg zu gehen und sich Krishna und den heiligen Namen unabhängig nähert. Wenn der Guru sich zurückzieht, trocknet die Sonne des heiligen Namens den Versuch des Schülers zu chanten aus und schließlich sein ganzes Leben.
Wenn ich Shrila Prabhupada verärgere, kann der Herr nicht zufrieden sein. Yasya prasadad...
Ich verneige mich vor den Lotusfüßen meines spirituellen Meisters. Durch seine Gnade erlangen wir die Gnade Krishnas – ohne seine Gnade sind wir verloren.
Deshalb besingen und meditieren wir drei Mal täglich, beim Tagesanbruch, Mittags und am Abend, die Herrlichkeiten unseres erhabenen spirituellen Meisters und verneigen uns vor ihm.

Eine praktische Verwirklichung:
Ich beginne mein Chanten jeden Tag mit einer kleinen aratik-Zeremonie zu dir, Shrila Prabhupada. Ich singe die (anti)samsara-Gebete, schwenke ein Räucherstäbchen und meditiere darüber, dass ich meine japa als Dienst darbringen möchte. Wann immer ich es verpasse diese einfache Geste eines Schülers durchzuführen, ist das Ergebnis jedes Mal das gleiche – ein trockener japa-Tag. Die Sonne mag scheinen, aber das Wasser des Teiches fehlt, weil ich mich davon zurückgezogen habe.
Vielen Dank, Shrila Prabhupada, dass du, obwohl abwesend, anwesend bleibst.
 

   

18. Tag

Juwele der Weisheit

„Chantest du den Namen oder chantet der Name dich?“
Verwirrt schaue ich von meiner Konzentration auf Tota Gopinatha hoch. Ich sehe meinen ungewöhnlichen bengalischen sannyasi-Freund, der im Garten des Tota Gopinatha Tempel in einer kleinen bhajan-kutir wohnt.
Ich habe mich seit vielen Stunden nicht bewegt – nur die japa-mala.
Es dauert etwas, bis ich meine Gedanken und Stimme finde um zu antworten.
„Na ja, ich versuche mich zu konzentrieren und bei dem Mantra zu bleiben, und so zu chanten...“
Mit einem Funkeln in den Augen unterbricht er: „Niemand kann von sich aus den heiligen Namen chanten. Entweder er steigt herab und bewegt unsere Stimme, oder wir verbleiben mit dem Schatten, nama-abhasa, kein Name.
Genau wie Krishna, so ist der Name adhokshaja – außerhalb der Reichweite der Gedanken und Sinne. Aprakrita – nicht von dieser Welt.
Nur im Herzen der völlig hingegebenen Seele erscheint Krishna.
Mache dich völlig von Krishna abhängig, und erst dann steigt er herab.
Der Kopf kann den Namen niemals erfassen, das kann nur ein hingegebenes Herz.
Du chantest zu sehr von deinem Kopf aus, chante von Herzen. Lass den Kopf zurücktreten und vermehre das Herz.“
Er lächelt, schaut mich an und sagt: „Was weiß ich schon, ich habe keine Erfahrung, aber Rupa Goswami sagt: ‚Oh heiliger Name, wenn du auf meiner Zunge erscheinst, tanzt du dort und bewegst das Herz. Während du weitertanzt, werden meine Gedanken und Sinne still. Oh, welcher Nektar findet sich in den Silben ‚krish-na‘.‘“
Sein eigenes Unglück bedauernd wendet sich mein Freund ab, und schließt dann mit den Worten: „Krishna erweitert sich von diesem einen suddha (reinen) Namen und wir sehen seine göttliche Form, seine göttlichen Eigenschaften und göttlichen Spiele. Alles...
Versuche nicht zu chanten – bitte darum, dass der heilige Name dich chantet...“
Mein Freund ist weg. Ich schaue zu Tota Gopinatha und er lächelt zurück, als wolle er sagen: „Was denkst du?“
Ich bin bewegt, bitte ihn in meinem Herzen zu erscheinen und fange dann wieder an zu chanten...
 

   


19. Tag

Alle Ehre sei den Straßenfegern von Jagannatha Puri

Ich chante unter einem Baum in Puri. Es ist Mittagszeit. Plötzlich nähert sich ein einfacher Straßenfeger, einen Besen in der Hand. Seine Augen schauen fragend: wäre es in Ordnung, wenn ich um dich herum fege, oder würde ich dich stören?
Ich signalisiere zurück: Tig! (Ok)
Ich schließe meine Augen, um mich besser konzentrieren zu können, aber er hat etwas, das meine Augen zwingt sich wieder zu öffnen.
Während ich ihn fasziniert beobachte, bin ich von seinen fast aristokratischen Bewegungen beeindruckt. Als er fertig ist, überrascht er mich völlig. In feinstem Englisch mit britischem Akzent sagt er: „In unseren Herzen sind Staubschichten. So viele, dass wir sie nicht allein entfernen können. Das kann nur der heilige Name und der Dienst zum reinen spirituellen Meister (suddha-Guru).“
Er lächelt, schaut auf seinen Besen und bevor ich mich versehe, ist er verschwunden.

   



20. Tag

Sprechende Schuhe

Ich chante am Morgen gern im Tota Gopinatha Tempel. Aber heute stehen einige Reihen Schuhe vor dem Eingang, das heißt, drinnen muss ein Programm stattfinden.

„Dann will ich in den Garten gehen“, denke ich mir.
Kurz vor dem Gartentor drehe ich mich ein letztes Mal um und schaue auf die Schuhe. Das kann nicht wahr sein. Sie stehen alle in perfekter Ordnung da, ein Paar neben dem anderen, in gewissenhaft angeordneten Reihen. Diese Pilger können keine Inder sein, welche eine fast Kasten-bewusste Beziehung zu ihren Schuhen haben. In Indien sind Schuhe „Unberührbare“ und werden mit einem Schnips des Fußes in eine schattige Ecke geworfen.
Wer ist dann drin? ISKCON Devotees? Narayana Maharajas Gruppe? Die Chowpatty Devotees?
Sicher keiner von ihnen. Aus anderen Gründen hinterlassen auch sie chaotische Schuhhaufen – keine Reihen.

Während ich den Garten betrete, erinnere ich mich an eine alte Zen-Geschichte. Der Schüler verlässt seine Höhle und geht zu seinem Meister: „Ich habe endlich die Erleuchtung erlangt!“ Der Meister nimmt den Schüler vor seine Zimmertür und zeigt ihm seine Schuhe. Einer liegt über dem anderen, als ob sie gerade aneinandergeprallt seien. In einer Ecke stehen die Schuhe des Meisters – in perfekter Ordnung.
„Gehe wieder in deine Höhle zurück und meditiere weiter.“
Shrila Prabhupada sagte dazu: „Werde zuerst bewusst und dann Krishna-bewusst!“
Wer ist also diese Pilgergruppe, deren Schuhe solch eine ungewohnte Botschaft der Ordnung überbringen? Sie müssen etwas Richtiges machen!

Ps. Später erfuhr ich, dass mein Gottbruder Matsyavatara Prabhu aus Italien eine Gruppe von 50 Devotees aus seinen Universitätsprogrammen in den Tempel gebracht hatte.
Sie wurden in seiner Bhaktivedanta-Schule sehr gut in spiritueller Psychologie ausgebildet und sind talentierte, hoch spirituelle Menschen.

   

   



21. Tag

Gopinathas alter Pujari

Du kannst Mahaprabhu das nicht verpassen.
Wann immer man den Tempel von Tota Gopinatha betritt, geht man an ihm vorbei.
Er ist alt, so alt – und scheint auf jemanden zu warten: seinen Tod.
Manchmal jedoch, wie gestern, läuft er langsam durch den Tempel. Mit großer Mühe bewegt er seine Füße, die aufgrund einer Elephantiasis stark angeschwollen sind. Er trägt sein Essgeschirr, welches an Madana-mohanas Altar aufgefüllt wird und dann kehrt er zu seinem Warteplatz auf der Steinbank zurück.
Ich begrüße ihn meistens, wenn ich komme oder gehe und verneige mich manchmal. Er hat Gopinatha 50 Jahre als pujari gedient. Wenn ich in seine Augen schaue, sehe ich Angst – Angst vor dem Besucher, der ihn mitnehmen wird, ohne ihn zurückzubringen. Sein Blick ist so matt, dass er nichts mehr zu erfassen scheint. Mir scheint, dass er nur bis zu seiner Essschüssel sieht – dahinter gibt es keine Welt für ihn.

Aber heute Morgen zeigte sich, dass ich falsch lag.
Als niemand sonst im Tempel war, schaffte er es, sich gegen die Tür zum Altar anzulehnen. Lange Zeit stand er stand dort. Es fand ein intimer Austausch mit Gopinatha statt. Und dann drehte er sich um und schaute mir direkt in die Augen. Ich war schockiert.

In seinen beiden Augen war Gopinatha! Und dann sah ich ihn als energiegeladenen Priester, wie er vor dem Herrn kniete und dessen Gesicht mit Sandelholzpaste anmalte.
Ich sah ihn auf dem Altar eilen, herrliche Kleidung für den Herrn in den Händen, Speisen bringen, arati-Lampen schwenken... In einer anderen Szene sah ich ihn die Affen verjagen, die von Gopinathas Teller aßen, er schrie und lachte zugleich.
Die Bilder seines Lebens des Dienstes tanzten lebendig in seinen Augen.

(Oh, ich weiß nicht, ob ich das schreiben kann... Wer wird mir glauben?)
Als er mir in die Augen schaute, füllten sich seine Augen mit Tränen. Sie ließen ihn zart aussehen. Seine Gesichtszüge veränderten sich. Verschwunden war der alte Mann, mit seinem ängstlichen Gesicht. An seiner Statt sah ich eine junge Person, vielleicht ein Hinweis auf sein zukünftiges Leben in der spirituellen Welt. Das Leben des Dienstes geht immer weiter. Wenn ein Fluss einmal zu strömen beginnt, fließt er weiter, bis er das Meer erreicht. Eine starke Verwirklichung überwältigte mich, als ich die Veränderung in den Augen des alten pujaris sah. Gopinatha kümmert sich immer um seine Diener: in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Keiner seiner Diener sollte sich Sorgen machen.

Akrura, der die dankbare Fürsorge Krishnas gegenüber seinem Devotee erkannte, betete:

„Wie kann eine intelligente Person irgendwo außer bei dir Zuflucht nehmen? Es ist wohlbekannt, dass du deinen Devotees deine einzigartige Zuneigung schenkst. Du hältst dein Versprechen, dass du deine Diener immer beschützt, selbst den niedrigsten unter ihnen. Und du bist für jeden Dienst, der dir dargebracht wird, ewiglich dankbar – selbst für unbedeutende. Du erfüllst alle Wünsche der ernsthaften Seelen, die dir dienen – selbst soweit, dass du ihnen dein eigenes Selbst gibst. Trotz all dieser Eigenschaften nehmen deine Süße und Herrlichkeit dabei weder zu noch ab.“

Sei ermutigt durch diese Worte – zögere nicht, dich solch einem barmherzigen Herrn hinzugeben.

Ps. Während ich das hier schrieb, kam Balarama das, der derzeitige Priester von Gopinatha, auf seinem Fahrrad vorbei, um prasadam von Gopinatha’s eigenem Teller seinem unbedeutenden Diener zu bringen. Als ich ihn fragte, wer ihn dazu veranlasst hatte, antwortete er einfach: „Gopinatha!“

   

[1] Die Geschichte über Atri Muni steht im Shrimad Bhagavatam, 4.1.15 - 33.
 

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