"Wir alle wissen, wie man hört,
aber wenige wissen, wie man zuhört."
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Weisheitsgeschichten

Die Macht des Gebetes – Die Geschichte von Jai Singh

Von Sacinandana Swami

Einst gab es einen König namens Jai Singh, der ein grosser Verehrer des Herrn war. Während der Regierungszeit von Jai Singh eroberten die Mongolen Indien. Eins nach dem anderen griffen sie die kleinen Königreiche des Landes an. Zur gleichen Zeit gab es auch zwischen diesen Kämpfen viele andere Konflikte. Es war eine Zeit der Kriege und der Unsicherheit. Jai Singh`s Königreich war wunderschön und voller Reichtümer. Weil er diesen Reichtum begehrte, versuchte der König des benachbarten Reiches immer und immer wieder Jai Singh`s Königreich zu erobern. Doch wann immer er auch mit Jai Singh`s Armee zusammentraf, sie war unbesiegbar. Auch die Mongolen versuchten viele Male Jai Singh zu besiegen, aber auch sie blieben erfolglos. Auf diese Weise blieb Jai Singh, der seine Armee immer persönlich im Kampf führte, seinem Namen treu, „der Sieg des Löwen“.

Eines Tages dachte der Nachbarkönig bei sich, „Wenn ich ihn nicht mit fairen Mitteln besiegen kann, muss ich eben unfaire Mittel anwenden.“ Daher sandte er seine Spione aus, um etwas über Jai Singh`s Gewohnheiten herauszufinden. Die Spione kehrten bald mit folgender Nachricht zurück: Jeden Morgen verehrt Jai Singh persönlich seinen Deity, Shri Radha Raman. Er beginnt pünktlich um 8 Uhr und beendet die Verehrung gegen 9 Uhr. Während dieser Zeit darf ihn niemand stören. Also entschied sich der Nachbarkönig, zu dieser Zeit anzugreifen. So ergab es sich, dass er eines Morgens, exakt eine Minute nach 8 Uhr, seinen Überraschungsangriff begann.

Jai Singh stand vor Radha Raman. Er betete, „Mein Herr, ich habe versprochen dich zu verehren. Ich kann jetzt nicht fortgehen um meine Leute zu verteidigen.“ Es klopfte laut an der Tür. Die Stimme des Premierministers rief von draussen, „ König, du musst deine Armee anführen! Ich habe einen qualifizierten Priester mitgebracht, er kann die Verehrung übernehmen!“ Jai Singh antwortete, „Ja, aber du weisst doch dass ich Radha Raman versprochen habe, sie immer persönlich zu verehren.“ „Wir sind verloren“ sagte der verzweifelte Minister und ging daraufhin zur Mutter des Königs, um sie um Hilfe zu bitten. Sie kam zu Jai Singh und sagte zu ihm „Mein Sohn, was denkst du findet der Herr besser? - Wenn du seine Devotees beschützt oder wenn du ihm einen Dhoti anziehst? Als deine Mutter befehle ich dir – führe deine Armee!“ Jai Singh erwiderte „Nein Mutter, ich habe Radha Raman ein Versprechen gegeben.“ „Ist das alles was du deiner Mutter zu sagen hast? Sie werden unsere Soldaten niedermetzeln. Sie werden einigen Frauen Gewalt antun und alle Bürger zu Sklaven machen.“ „Ich kann mein Versprechen nicht brechen,“ war Jai Singh`s letztes Wort. Die Mutter sagte, „So sei es, dann werden die Frauen diese Palastes ihre Körper zu Asche verbrennen, damit der Feind nicht Hand an uns legen kann!“ Der König betete, “Mein lieber Herr, bitte beschütze mich. Bitte beschütze meine Untergebenen. Mein Herr, ich habe nein zu meiner Mutter gesagt, weil ich meinem Versprechen dir gegenüber treu bleiben wollte. Nun bist du der Einzige, der uns retten kann.“

In diesem Moment geschah etwas aussergewöhnliches. Jai Singh hatte ein Streitross, das ungeheuer kräftig und fast so gross wie ein Elefant war. Jai Singh war der einzige, der in der Lage war, es zu reiten. Plötzlich sah einer der Bediensteten des königlichen Pferdestalls, wie ein Krieger mit grosser Macht und Geschwindigkeit auf den Stall zulief. Er trug die Rüstung des Königs, den Kopf bedeckt und brüllte, „Macht das Pferd bereit!!!“ Der Krieger hatte in beiden Händen ein Schwert und begann augenblicklich, sich einen Weg durch die Armee des Feindes zu schlagen. Doch irgendwie wurde jeder, der dem Krieger begegnete, ausgesprochen glückselig, selbst wenn er von dessen Schwert niedergestreckt wurde. Jai Singh`s Armee rief immer wieder begeistert aus, „Jai Singh ki jay! Alle Ehre sei Jai Singh!“

In der Zwischenzeit sass Jai Singh vor Radha Raman und betete weiter um Schutz während er den Deity ankleidete. Als er den Herrn mit Ohrringen schmücken wollte sah er, dass nur einer da war, obwohl er sich sicher war, dass er zwei gebracht hatte. Zu diesem Zeitpunkt war die feindliche Armee geschlagen. Bald fand der Premierminister Jai Singh im Tempel und begann ihn dafür zu lobpreisen, den Kampf im Alleingang durchgeführt zu haben. „Ich habe überhaupt nicht gekämpft“ , sagte der überraschte Jai Singh. „Ich habe hier meine Puja (Verehrung) durchgeführt.“ - Als der Minister ihn schliesslich zu seinem Streitross führte, um ihm zu zeigen, dass es vom Kampf erschöpft war, verstand Jai Singh: Radha Raman hatte gekämpft. Später fand Jai Singh den verlorenen Ohrring auf dem Schlachtfeld und errichtete an dieser Stelle einen Tempel. Der Ohrring wird heute noch dort verehrt.

Das ist die Macht des Gebets. Der König betete aufrichtig um den Schutz des Herrn und der Herr kümmerte sich um alles.
 

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