"Wie wird man ein Schmetterling? -
Du musst es dir so sehr wünschen zu fliegen,
dass du das Raupendasein aufgibst."
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Tagebücher von Sacinandana Swami

MEINE REISENOTIZEN - Entfesselte Seelen oder das Geheimnis der Schwerelosigkeit

Von Sacinandana Swami

Obwohl drei Wochen vergangen sind, seit ich am wundervollen Sadhu Sanga Retreat in Austin, Texas, teilgenommen habe, ist mein Herz noch immer vom spirituellen Wunder erfüllt, das ich dort sah. Ich beobachtete „Fälle der Schwerelosigkeit“.

Das Retreat trug die unverwechselbare „Handschrift“ des Genies HH Indradyumna Maharaja und einer beeindruckenden Anzahl hingegebener Diener des Heiligen Namens. Vier Tage lang trafen sich die Devotees, um den ganzen Tag zu chanten und über das Krishna-Bewusstsein zu hören. Es waren viele ältere Devotees dabei, aber auch eine große Zahl „Neulinge“.

Es war so „therapeutisch“, dass sogar die Rehe vom Kirtan angezogen wurden und die Halle umringten! Am Ende tanzten alle so fröhlich– es sah aus, als würden sie schweben! Wirklich, ich kann es nur so beschreiben.

Wir sollten wissen, dass es einen leuchtenden Pfad gibt - den brahma gati pantha – der aus dieser materiellen Welt hinaus in die ewige spirituelle Welt führt. Dieser Pfad wird auch urdhva-pundra genannt – der aufwärts führende Pfad. Alle Seelen in dieser Welt suchen danach – entweder bewusst oder unbewusst. Unglücklicherweise wurden viele abgelenkt und verwechselten irrtümlich verschiedene materielle Beschäftigungen mit diesem Pfad.

Dieser Pfad wird zugänglich, wenn die Ketten, die uns an diese Welt binden, gelöst werden. Und das geschieht im Kirtan.

In meiner Kindheit flog ich einmal mit einem Heißluftballon, der auch „Fesselballon“ genannt wird. Ich kann mich noch immer erinnern, wie wir zuerst Ballast (Sandsäcke) abwarfen und die Eisenketten lösen mussten, die uns am Boden festhielten, bevor wir aufwärts fliegen konnten.

Was für eine Freude und Heiterkeit, als wir vom Boden abhoben und schwebten. Zuerst war Friede und stille Freude – aber dann sprudelte die Freude vom Herz zu den Lippen. Ich brach spontan in einen fröhlichen Gesang aus. Etwas ähnliches erlebte ich in Texas (ausgerechnet dort). Durch die Kraft des Kirtans „entschwebten“ wir alle dieser Welt und ließen die sinnlichen, mentalen und intellektuellen Ebenen hinter uns. In den Anfangstagen schrieb Shrila Prabhupada über dieses Phänomen: „Wer sich jedoch eine Zeitlang im Chanten übt, gelangt ohne Zweifel direkt auf die spirituelle Ebene. Das erste Symptom dafür zeigt sich in dem Drang, beim Chanten des Mantra zu tanzen. Wir sprechen hier aus eigener Erfahrung.“ (Die Schönheit des Selbst, S. 169)

Vielleicht wollen wir wissen, wie das funktioniert. Shrila Prabhupada nennt uns im selben Aufsatz den Grund: „Wir können selbst erfahren, wie wir durch das Chanten des Maha-Mantra, des großen Gesanges zur Befreiung, sofort transzendentale Ekstase verspüren, die von der spirituellen Dimension herab kommt... Es ist deshalb nicht erforderlich, die Sprache des Mantra zu verstehen... Es kommt automatisch von der spirituellen Ebene herab. So geschieht es nicht durch unsere eigene Bemühung, sondern durch die Kraft der Heiligen Namen.“

Ich fühle mich jetzt leicht, befreit von der Bürde des gewöhnlichen Bewusstseins. Der Staub, der den Spiegel des Herzens bedeckt hatte, ist hinweg gefegt. Die Ketten sind zerbrochen und – wisst ihr was – ich kann immer noch nicht aufhören zu singen.

Auf dem Rückweg zum Flugzeug hörte ich eine nektarhafte Vorlesung von Shrila Prabhupada – und meine Gefühle wurden bestätigt.

„Manchmal wurde ich in New Delhi eingeladen, den Gefangenen gute Botschaft zu lehren. So habe ich viele Gefangene gesehen. Sie waren mit Eisenketten gefesselt. So sind wir hier auch gefesselt, und was ist diese Fessel? Es ist unsere Sinnesbefriedigung. Ja. Wir sind an diese materielle Welt durch Sinnesbefriedigung gefesselt. Das ist alles. Wenn wir also unser Gefangenendasein abkürzen wollen, dann ist das erste Merkmal, diese Sinnesbefriedigung zu verringern oder die Sinnesbefriedigung zu regulieren.“ (Vorlesung, Bhagavad-gita, New York 27. April 1966)

Wenn man im Kirtan die höhere Freude des Krishna-Bewusstseins erfährt und das eigene Bewusstsein friedvoll wird, gibt man mit Leichtigkeit jede Anziehung an niedere materielle Freuden auf. Aber was noch wichtiger ist: Man wendet sich an die machtvollste Energie des Herrn: seine krpa shakti oder Barmherzigkeitsenergie.

Durch das Singen des Heiligen Namens gewinnt man die Zuneignung des Herrn wie durch keinen anderen Vorgang. Und das in einem Ausmaß, durch welches er sich zu den Chantenden hingezogen fühlt und (es ist kaum zu glauben) fast von ihnen gefesselt wird. Krishna gab das persönlich in einem Gespräch mit Arjuna zu:

„O Arjuna, jene, die Meine Heiligen Namen singen und vor Mir tanzen, kaufen mich wahrhaftig mit dem Preis ihrer Hingabe. Ich verkünde Dir, dies ist die Wahrheit: Diejenigen, die meine Namen singen und Tränen vergießen, kaufen mich wahrhaftig mit ihrer Liebe.“ (Adi Purana, zitiert in Hari-bhakti-vilasa Kap. 11, Vers 446-7)

Und wenn jemand die Barmherzigkeit des Herrn erlangt hat, fallen die Ketten ab und man „schwebt“ tatsächlich ober bewegt sich hinauf in den spirituellen Himmel. Was ist schwer daran?

(Juni 2013)

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