"Eine Vision gibt mehr Kraft,
als eine Vergangenheit, die du hinter dir lassen willst."
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Tagebücher von Sacinandana Swami

Vrindavan Tagebuch 2014 - Teil 2

Von Sacinandana Swami

Der letzte Fisch

Heute kam ich an einer Szene vorbei, die sofort meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Einige Vraja-vasis standen um einen dekorativen Teich, der voller Goldfische war. Ihr Anführer stand im Wasser und fing die Fische fing. Er fing Fisch um Fisch in seinem Netz und setzte jeden einzelnen in einen Eimer. Die anderen Vraja-vasis applaudierten, als ob sie einen Ringkampf verfolgten, bei dem sie auf der Seite des Champions stehen. Dann beauftragte der Anführer, dass der Eimer mit einem Motorrad zum Radha-kunda gefahren werden sollte, damit alle Fische in diesem heiligsten aller Seen leben konnten. Unter fröhlichem Ausrufen von „Jaya Shri Radhe!“ machten sich seine Cheerleader mit dem Eimer auf den Weg. Nun waren vier erwachsene Männer auf einem Motorrad auf den holprigen Straßen in Richtung Radha-kunda unterwegs mit einem Eimer voll wimmelnder

Fische.

Aber ein Fisch war im Teich zurückgeblieben... Als die Männer zurückkehrten, wurde er eingefangen und bekam eine Sonderfahrt zum Radha-kunda.

Als die Vraja-vasis zum zweiten Mal unterwegs waren, entdeckte ich einen kleinen schwarzen Fisch, der sich hinter einem alten Topf im Wasser versteckt hatte. Da das Wasser aus dem Teich abgepumpt wurde, würde dieser Fisch zurückbleiben und in der sengenden Sonne austrocknen. So machte ich den Anführer auf ihn aufmerksam. Ich war mir nicht sicher, wie er reagieren würde, schließlich war das kein Goldfisch – es war irgendein kleiner schwarzer Fisch.

Der Vraja-vasi Anführer lächelte, stieg in den Teich und begann, dem Fisch hinterherzujagen, welcher verzweifelt versuchte zu entkommen. Und als seine Leute zurückkamen, gab er den Auftrag, dass dieser Fisch ebenfalls zum Radha-kunda gefahren werden sollte.

Im Westen hätte niemand auf einen nutzlosen kleinen schwarzen Fisch geachtet. Aber hier zählt auch sein kleines Leben. Als ich die Männer für ihr Mitgefühl lobte, erklärte einer von ihnen: „Familienmitglied!“ und alle anderen begannen zustimmend zu lachen.

Später an diesem Tag las ich ein Gebet:

„O fischgleiche Seele, warum verweilst du in Mayas Netz, gefangen von deinem Wunsch nach völlig unbedeutenden Vergnügungen? Bleibe Krishna untergeben und schwimme durch die Stärke der bhakti frei in den Wassern des Ozeans der Krishna-prema.“

Ich sehe, dass hier am Radha-kunda alle Devotees unweigerlich im Netz von Radhas Liebe eingefangen werden – einer nach dem anderen – vorausgesetzt sie bleiben und „fliehen“ nicht vor der Barmherzigkeit.

Was ist Liebe?

Sie ist etwas, das in dieser Welt im Allgemeinen nicht erfahren wird. Sie ist der Ausdruck der reinen Seele, die befreit ist von ihrer beeinträchtigten Stellung in den vielen Beziehungen dieser Welt, die mehr oder weniger auf verschiedenen Graden von Eigennutz basieren.

Wenn wir jemanden so sehr lieben könnten, dass wir unsere eigenen Wünsche, die bestehenden sozialen Normen und Konventionen und sogar die Regeln herkömmlicher Religionen völlig vergessen, dann würden wir vielleicht den Rand des Schattens der Liebe Radharanis und ihrer gopis berühren. Anders wäre es unmöglich sie auch nur ansatzweise zu verstehen.

Es ist diese Art von Liebe, durch welche die absolute Wahrheit, Shri Krishna, beherrscht wird, woraufhin er seine Arme fallen lässt und hilflos erklärt: „Du hast gewonnen – Ich kann dir nichts zurückgeben!“

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