"Es gibt kein grösseres Leid als Anhaftung.
Es gibt kein tieferes Glück als Loslösung."
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Tagebücher von Sacinandana Swami

Vrindavan Tagebuch 2014 - Teil 6

Von Sacinandana Swami

Krishna verlässt Vrindavana niemals

Wenn man in Vrindavana lebt, wird man ständig an Krishna erinnert. Er wird dort in den zahlreichen Tempeln verehrt, die Devotees preisen ihn mit Liedern und Erzählungen (katha), sadhus und Heilige beschreiben ihn liebevoll, etc.

Aber erscheint er jemals persönlich oder zeigt sich den Augen derer, die ihn so inbrünstig verehren? Wird er nur bewundert, bleibt aber unsichtbar – oder steht er tatsächlich in einer greifbaren Beziehung zu seinen Verehrern? Können sie ihn mit ihren Ohren hören, mit ihren Händen berühren, das Essen kosten, das er ihnen anbietet und sogar seinen Duft riechen? Diese Fragen beschäftigen mich seit sehr langer Zeit, denn ich möchte einen Gott verehren, mit dem ich eine „Erfahrung“ machen kann – ich habe genug von den unzähligen religiösen Konzepten und mentalen Spekulationen.

In diesem Eintrag in mein Vrindavan Tagebuch möchte ich davon berichten, wie Krishna vor ungefähr fünf Jahren einem seiner Devotees persönlich im Dorf Aniyor erschien. Ich hörte von dieser erstaunlichen Begebenheit von Krishna Murari Goswami, der es von seinen Verwandten hörte, die immer noch in diesem kleinen Dorf am Fuße des Govardhana-Hügels leben. Sie haben mit jemandem gesprochen, dem Krishna persönlich erschienen ist!

Vor fünf Jahren gab es einen schrecklichen Monsun. Es schüttete riesige Wassermasse vom Himmel wie beim Weltuntergang. Bald hatten sich die kleinen Gassen in reißende Bäche verwandelt, was sowohl den Menschen als auch den Tieren viele Probleme bereitete. Besonders betroffen waren die frei herumlaufenden Kühe, die auf der verzweifelten Suche nach Schutz vor den verheerenden Regenfällen durch das Dorf zu laufen begannen.

Ein sadhu, den die Bewohner des Dorfes Baba nannten, spürte die offensichtliche Not der Kühe sehr stark und entschloss sich, seinen eigenen bhajan (spirituelle Praxis) einzustellen, um den Kühen zu helfen. Baba dachte: Vor fünftausend Jahren hat Krishna den Kühen in einer noch schwierigeren Situation geholfen, indem er den Giriraja Hügel anhob und ihn wie einen großen Schirm hochhielt...Es musste schnell gehandelt werden, denn die Kühe befanden sich in einer ähnlichen Situation wie damals.

Baba arbeitete zwei Tage lang Tag und Nacht und erhielt Hilfe von jedem, der eine Hand frei hatte und am Ende hatte er einen einfachen Regenschutz gebaut, der groß genug war, um den Kühen von Aniyor Platz zu bieten und so versammelte er sie unter dem Dach dieser notdürftigen „goshala“ (Kuh-Ashram). Erschöpft legte er sich zusammen mit den Kühen schlafen. Er wachte jedoch bald auf und konnte nicht wieder einschlafen – weil er hungrig war. Er hatte 48 Stunden lang so hart gearbeitet, dass er keine Zeit gefunden hatte, irgendetwas zu essen.

Gegen Mitternacht sah er einen kleinen Jungen in den Kuhstall kommen. Er hatte eine Schüssel laddhus dabei und und bot sie liebevoll Baba an: „Hier, iss diese laddhus – du musst hungrig sein. Morgen werde ich meine Schüssel abholen. Und übrigens, das brauchst du vielleicht auch...“ Mit diesen Worten reichte er Baba einen Stab zum Kühe hüten und ging eilig fort. Das alles geschah im Dunkeln und ging sehr schnell.

Am nächsten Morgen war im Dorf große Aufregung. Die Priester des Tempels auf der Spitze des Giriraja-Hügels hatten die Durchsuchung des gesamten Dorfes angeordnet. In dieser Nacht war ein Dieb in den Tempel eingedrungen und hatte Nathajis (der Name des dortigen Krishna Deitys) Silberschüssel und seinen Kuhhirtenstab gestohlen.

Als Baba davon hörte, ging er sofort zum Kuhstall und untersuchte die Schüssel und den Stab bei Tageslicht. Es gab kaum einen Zweifel – auf sie trafen die Beschreibungen der Priester exakt zu. Konnte es sein, dass der Herr persönlich vor Baba erschienen war, ihm laddhus zu essen gegeben hatte und ihn mit einem Kuhhirtenstab versehen hatte, nur um den Dienst anzuerkennen, den er zum Schutz der Kühe geleistet hatte?

Baba entschloss sich, es herauszufinden, aber ohne das Risiko einzugehen, als ein vom Herrn Begünstigter berühmt zu werden. So ging er mit der silbernen Schüssel und dem goldenen Stab in der Hand zum Hauptpriester und erzählte ihm, dass ihn nachts ein Junge besucht hatte, diese Dinge bei ihm gelassen und gesagt hatte, er würde später wiederkehren, um sie abzuholen.

Als sich der Priester die Schüssel und den Stab anschaute, erkannte er sie sofort als den Besitz von Sri Nathaji und bedankte sich bei Baba, dass er die verlorenen Sachen des Herrn zurückgebracht hatte.

Baba muss in Ekstase gelächelt und gedacht haben: „Wenn du nur wüsstest, dass der Dieb der Eine war, den du auf deinem Altar verehrst!“

Später offenbarte Baba die ganze Geschichte einem Verwandten von Krishna Murari Goswami und so erfuhr ich davon.

Vrindavan ist reich an solchen Geschichten. Geschichten, in denen Krishna die menschliche Dimension berührt, als er beispielsweise vom Altar herunterkam, um mit den Dorfjungen Murmeln zu spielen, etc.

Überall anders mag man geneigt sein, solche Geschichten für Einbildung zu halten, doch hier in Vrindavan, wo Krishna gleich um die Ecke zu sein scheint, wird das Übernatürliche völlig natürlich – zu einem Teil des Lebens.

Der Grund dafür wird in den heiligen Schriften gegeben:

krishno ´nyo yadu-sambhuto
yah purnah so ´sty atah parah
vrindavanam parityajya
sa kvacin naiva gacchati

„Der Krishna, der als Yadu-kumara bekannt ist, ist Vasudeva Krishna. Er ist ein anderer, als der Krishna, welcher der Sohn Nanda Maharajas ist. Yadu-kumara Krishna offenbart seine Spiele in den Städten Mathura und Dvaraka, doch Krishna, welcher der Sohn Nanda Maharajas ist, verläßt Vrindavana niemals.“ (CC Antya 1.67)

Shrila Rupa Goswami schreibt folgendes über Krishna:

O Herr, der du in den Herzen deiner Devotees erscheinst. Du warst zutiefst betroffen, als du deine Devotees und die Kühe durch die schrecklichen von Indra gesandten Regenwolken beunruhigt sahst. So hobst du mit deiner linken Lotoshand den großen Govardhana Hügel empor.

O Herr, der du Vraja beschütztest, O lotosäugiger Herr, bitte, bitte beschütze mich ebenso.“
(Sri Mukunda-muktavali 4)
 

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