"In einen kirtan einzutauchen ist wie in
ein Boot zu steigen, das uns schnell in
den heiligen Raum des Herzens bringt
und in die Gegenwart Gottes."
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Über das Chanten

Das Grundprinzip von Sri Gaurangas Kirtan - Teil 1

Von Sacinandana Swami

Es gibt ein Grundprinzip der Bhagavata Philosophie, das Sri Caitanya Mahaprabhu während seiner irdischen Spiele praktisch vorlebte und lehrte. Wenn ihr es versteht, werdet ihr das, was Sri Caitanya Mahaprabhu uns beibringen wollte, praktisch leben und umsetzen können. Dieses Grundprinzip besteht im Aufbau einer Beziehung zum Herrn durch die Gemütsstimmung der Trennung. Das wird am besten im Kirtan praktiziert.

DEN HEILIGEN NAMEN EMPFANGEN

Wir haben es so oft gehört – um den heiligen Namen zu empfangen, müssen wir uns zuerst fokussieren. Indem wir der Klangschwingung des heiligen Namens Aufmerksamkeit schenken, bringen wir den Geist mit Krishna in Verbindung. Um das zu erreichen, müssen wir den Mantra tatsächlich hören und die ganze Zeit bei ihm bleiben, was einen gewissen Fokus, die Bereitschaft und unsere Gebete erfordert.

Unser größtes Problem besteht jedoch darin, dass wir uns getrennt und “trocken” fühlen, während wir uns der Praxis des Chantens widmen. Wir versuchen, unseren Geist auf die Klangschwingung auszurichten, doch ach! - der Geist ist schwerer zu kontrollieren als der Wind! Was sollen wir tun? Gibt es überhaupt eine Hoffnung für uns?

Unsere Hoffnung, und damit die Lösung des Problems, liegt darin, dass wir lernen, wie wir in der Gemütsstimmung der Trennung chanten können. Dieses Gefühl der Trennung von Krishna ist für die bedingte Seele möglich, weil wir uns von ihm abgewendet haben.

Wie kommen wir in diese Stimmung? Indem wir fühlen: “Krishna, ich brauche dich wirklich!”

VOM LEBEN GROSSER DEVOTEES LERNEN

Nach dem Tod seiner Mutter verließ der fünfjährige Junge Narada Muni sein Zuhause und ging in den Dschungel. Dort setzte er sich unter einen Banyanbaum und meditierte gemäß den Unterweisungen der vier großen Heiligen, die ihn Zuhause besucht hatten. Während Narada Muni unter dem Banyanbaum meditierte, erschien der Herr vor ihm.

Narada Muni war so überwältigt vom darshan des Herrn, dass er so sehr ergriffen wurde, dass er sowohl sich selbst als auch den Herrn aus den Augen verlor. Alles verschwand. Er war außer sich und äußerst begierig, den Herrn wiederzusehen, doch der Herr sagte zu ihm:

“Ich bedaure, dass du während dieses Lebens nicht mehr fähig sein wirst, mich noch einmal zu sehen. Diejenigen, die in ihrem Dienst unvollkommen und nicht völlig frei von allen materiellen Unreinheiten sind, können mich schwerlich sehen. O Narada Muni, du bist tugendhaft. Du hast meine Gestalt nur einmal gesehen, und dies nur, damit deine Sehnsucht nach mir stärker wird, denn je mehr du dich nach mir sehnst, desto schneller wirst du von allen materiellen Wünschen befreit werden.”
(SB 1.6.21, 22)

Als der Herr verschwunden war, wurde Narada Muni in einen Ozean erbärmlichen inneren Leidens geworfen. Stellt euch vor, was geschieht, wenn ein armer Mann einen Edelstein erhält, der all seine Wünsche erfüllen kann und ihn dann plötzlich verliert. Was wird dieser arme Mann tun? Er wird den Rest seines Lebens versuchen, dieses Juwel wiederzufinden.

Genauso, wie Krishna aus Narada Munis Blickfeld verschwand, erscheint er in unserem Leben und verschwindet wieder. Zum Beispiel erscheint er uns zu Beginn unseres Krishna-Bewusstseins, indem er uns einen Geschmack gibt, der so stark ist, dass wir die materielle Welt hinter uns lassen können. Wie könnten wir sonst versuchen, ein Leben zu leben, das von allem zuvor Gelernten und Gesehenen völlig verschieden ist? Krishna ist zu einem gewissen Grad anwesend, wenn wir das Bhagavatam lesen. Es heißt, dass der Herr beim Lesen des Bhagavatams in unserem Herzen erscheint. Bis zu einem gewissen Grad haben wir das ebenfalls erfahren. Und Krishna erscheint auch in unserem Leben, wenn wir Kirtans singen. Zu anderen Zeiten erleben wir Gefühle tiefer Wertschätzung und Verbundenheit. Auf diese Weise wissen wir, dass Krishna da ist.

Doch dann verlässt er uns… Und wir erfahren Phasen der Trockenheit, Trennung, mangelnder Verbundenheit, usw. In der christlichen Theologie sind diese Phasen als die “dunklen Nächte der Seele” bekannt. Du bist verzweifelt, weil du keinerlei Liebe mehr zu Gott verspürst.

Die Frage ist, was du dann tun wirst. Wirst du sagen: “Oh, ich werde mir einen anderen Herrn suchen. Das ist mir einfach zu viel.” Oder wirst du verstehen: “Ich muss jetzt geläutert werden. Es gibt einen Grund, warum der Herr mir das antut. Er möchte meine Sehnsucht nach ihm vergrößern.”

Verzweifle nicht! Verstehe Krishnas Prinzip, mit dem er deine Anhaftung an ihn vergrößern möchte.

Krishna sprach zu den gopis: “O gopis, der Grund, warum ich nicht sofort die Zuneigung der Lebewesen erwidere, selbst wenn sie mich verehren, besteht darin, dass ich ihre liebende Hingabe intensivieren möchte. Sie verhalten sich dann wie ein armer Mann, der zu etwas Reichtum gekommen ist, ihn dann aber wieder verliert und darüber so besorgt ist, dass er an nichts Anderes mehr denken kann.
[..] Ich handelte nur deshalb auf diese Weise, um eure Anhaftung an mich zu vergrößern. Selbst als ich mich eurer Sicht entzog, indem ich plötzlich verschwand, hörte ich niemals auf, euch zu lieben. Daher, meine geliebten gopis, hegt bitte keinerlei schlechte Gefühle gegen mich, euren Geliebten.” (SB 10.32.20, 21).

Schauen wir nun, was Narada Muni tat, als sich der Herr von ihm zurückzog: Er war fest entschlossen, den Herrn wiederzusehen und fuhr daher fort: “Darauf begann ich, den heiligen Namen und Ruhm des Herrn wiederholt zu chanten und schenkte den Äußerlichkeiten der materiellen Welt keine Beachtung mehr. Es ist sehr segensreich, auf diese Weise über die transzendentalen Spiele des Herrn zu chanten und sich an sie zu erinnern. So wanderte ich über die ganze Erde, völlig zufrieden, demütig und nicht neidisch.” (SB 1.6.26)

Wenn Krishna sich verbirgt, sollten wir ebenso fest entschlossen reagieren und ihn weiterhin in der Stimmung der Trennung verehren.

Fortsetzung folgt …
(Im nächsten Teil werdet ihr lernen, wie ihr in der Stimmung der Trennung chanten könnt.)

 

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